Venedig – Magische Momente

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Die Ästhetik der Langzeitbelichtung

Langzeitbelichtung braucht Zeit.
Die Beschäftigung mit Langzeitbelichtung ist für mich eine besonders intensive Auseinandersetzung mit meinem Motiv und meiner Kamera. Dabei ist Ruhe, Stille, Innehalten notwendig. Zeit verlangsamt durch diesen Prozess.
Ich nehme das, was ich sehe, bewusster wahr. Genieße die Augenblicke. Hänge meinen Gedanken nach.

Langzeitbelichtung kann unwirkliche, mystische Stimmungen in Bildern erzeugen.
Sie zaubert aus Wellen glattes Wasser und lässt Wolken ziehen. Auf (Wasser-) Straßen schafft sie interessante Lichtspuren.
Besondere Lichtstimmungen entstehen häufig kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang.

Grundlage für die Langzeitbelichtung sind neben einer DSLR oder Systemkamera ein gutes flexibles Stativ, ein Fernauslöser und besonders bei Tag verschiedene Filter.

Hier ein paar Beispiele aus Berlin, Cornwall, Hamburg, Lissabon, Cornwall, Hamburg und Rotterdam (im Uhrzeigersinn).

Langzeitbelichtung war ein Schwerpunkt meiner Fotoreise nach Venedig. Ich möchte euch zwei Varianten vorstellen.

Blaue Stunde in Venedig

Der Begriff Blaue Stunde bezeichnet die Zeit kurz vor Sonnenaufgang bzw. kurz nach Sonnenuntergang.
Sie ist ein romantisierender Begriff, der die blaue Färbung des Himmels zu dieser Tageszeit beschreibt.
Die tritt ein, wenn sich die Sonne etwa 4 bis 8 Grad unterhalb des Horizontes befindet. 
Die Dauer beträgt in Mitteleuropa zwischen 30 und 50 Minuten. Die Länge der Dämmerung im Zusammenhang mit dem Breitengrad spielt eine wesentliche Rolle.

Gegenüber Aufnahmen bei absoluter Dunkelheit ist zu dieser Zeit die Umgebung schon/noch leicht erhellt und besser sichtbar, Kontraste zwischen Hell und Dunkel werden abgemildert und die Bilder strahlen eine außergewöhnliche, farbintensive Stimmung aus.

Mystik und Stille auf Pellestrina . . .

Während Langzeitbelichtung in der Blauen Stunde und nachts ein Stativ erfordert, benötigt man am Tage zusätzlich ND-Filter (Neutraldichtefilter), um die lange Belichtungszeit zu provozieren. Der ND-Filter reduziert farbneutral den Lichteinfall ins Objektiv, als ob man dem Objektiv eine Sonnenbrille aufsetzte.

Man kann sich fragen, was der ganze Aufwand soll.
Für mich strömen die Fotos eine besondere Ruhe und Stille aus durch das spiegelglatte Wasser. Der Horizont nähert sich dem Himmel an, Objekte scheinen zu schweben und eine fast surreale Atmosphäre entsteht.
Das habe ich bei unserem Tagesausflug auf die Fischerinsel Pellestrina erlebt. Und diese Facette der Fotografie hat mich nachhaltig beeindruckt.

. . . und an der Uferpromenade in Castello

Am letzten Tag meines Venedigaufenthaltes war es etwas nebelig, was uns sehr gefreut hat! Wir haben entlang der Uferpromenade im Stadtviertel Castello fotografiert. Bei zwei Aufnahmen habe ich auch eine schwarz-weiß Version erstellt. Gefällt euch eine besser?

Ich bin gespannt, wie meine Fotos auf euch wirken und wie ihr diese Wirkung beschreibt.
Ich habe zwar einige Worte für meine Empfindungen gefunden, denke aber, es gibt noch treffendere.

8 Replies to “Venedig – Magische Momente”

  1. Die Finessen der Technik – herrlich, wenn man es versteht, diese einzusetzen wie Du, liebe Barbara. Großes Kompliment!
    Wenn man die richtigen Motive durch diese Technik der Langzeitbelichtung verstärkt, können großartige Bilder entstehen. Deine Bilder sind ein schlagender Beleg für den perfekten Einsatz dieser Methode. Ich habe schon viele schöne Bilder von Venedig gesehen, aber Venedig in Gold getaucht – einfach grandios.

    1. Liebe Angelika,

      so viel des Lobes! Herzlichen Dank! Im Grunde ist es ja nicht so schwer. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und Muße mit Kamera und Stativ und Filtern (am Tage).
      Man muss sich darauf einlassen. Das mache ich auch nicht andauernd, aber immer mal wieder gerne.

      Liebe Grüße
      Barbara

  2. Liebe Barbara,
    die Fotos machen eine grosse Freude. Die Venedig-Liebhaber werden durch Deine wundersamen Stimmungsbilder besonders geniessen, die wenigen, die Venedig noch nicht kennen, werden gewiss angeregt , sehr bald hinzufahren.
    1000 Dank und liebe Grüsse
    Reini &Raimund Bardua

    1. Liebe Reini, lieber Raimund,

      sehr gerne! Da ich von Venedig begeistert bin, teile ich gerne meine Eindrücke!
      Euch alles Gute!

      Herzliche Grüße
      Barbara

  3. Liebe Barbara,
    ich bin nachhaltig beeindruckt und begeistert von diesen Fotos, die in der Tat mystisch und sehr speziell wirken! Die „blaue Stunde“ fand ich immer schon wunderschön in ihrem Farbspiel, die entsprechenden Fotos sind klasse. Venedig und Nebel gehören in meinen Augen unbedingt zusammen, der Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ wirkt genau dadurch besonders bedrohlich und faszinierend, einer der gruseligsten Filme die ich kenne…
    Die Fotos farbig oder schwarz-weiß erzielen sehr unterschiedliche Wirkungen, mit gefallen beide gleich gut, das Mystische, Schaurige wird allerdings deutlicher beim Verzicht auf Farbe!
    Die Fotos anzuschauen ist wie immer ein Augenschmaus, wenn du dann beschreibst, was technisch nötig ist, um umzusetzen, was du zeigen willst, dann steigt meine Bewunderung für deine Kunst nochmals!

    1. Liebe Lisa,

      es freut mich, dass du Gefallen an meinen Fotos findest. In diesem Fotokurs in Venedig stand das Thema „Langzeitbelichtung“ im Mittelpunkt. Ich wollte unbedingt lernen, mit Filtern zu arbeiten. Das war zunächst mühsam, klappte dann dank der wertschätzenden und geduldigen Unterstützung des Fototrainers Stefano Paterna immer besser. Man muss sich viel Zeit und Muße dafür nehmen. Das geht nur alleine oder in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter. Und Letztere hilft mir, mich mit Stativ und Filtern aufzuraffen. Für mich sehr bereichernd. Sowohl die Zeit, die ich mit dem Fotografieren verbringe als auch die Ergebnisse.

      Liebe Grüße
      Barbara

  4. Liebe Barbara,
    Langzeitbelichtung zur „blauen Stunde“ – ich glaube, das ist fotografisch ein anspruchsvolles Thema und die Resultate sind sowohl „in bunt“ als auch in schwarz/weiß sehr gelungen. Die Wirkung dieser Bilder ist wirklich so, dass das Motiv eine mystische Stimmung erhält. Die Aufnahmen von Venedig erinnern mich stark an einige Szenen aus dem Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Und bei den Fotos von Pellestrina entsteht in der Tat der Eindruck, die Objekte würden schweben. Eine tolle Wirkung! Normalerweise hat für Porträtfotografie die Verwendung von schwarz/weiß die interessantere Wirkung. Hier bei Venedig haben auf mich die Aufnahmen in bunt die größere Wirkung. Zur „blauen Stunde“ nehmen manche Leute auch gern einen ersten Drink; Schriftsteller wie Somerset Maugham haben das regelrecht zelebriert. Oder man macht interessante Fotos und experimentiert – erfolgreich – mit Langzeitbelichtung. Wieder ein toller Beitrag mit wunderschönen Bildern!
    Viele Grüße
    Rainer

    1. Lieber Rainer,
      herzlichen Dank für deine differenzierte Rückmeldung!
      Das blau in der „blauen Stunde“ ist tatsächlich magisch. Ich habe es gerade vor Sonnenaufgang genossen, das sich verändernde Farbspiel wahrzunehmen und zu genießen. Und nach Sonnenuntergang spricht sehr viel dafür, den ersten Drink zu nehmen und das Leben zu genießen. Somerset Maugham war offenbar ein Connaisseur!
      Die minimalistischen Motive auf Pellestrina haben für mich einen eigenen Charme, der sich durch die Langzeitbelichtung erst richtig entfaltet. Das war ganz großartig!

      Liebe Grüße
      Barbara

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