Sommerabend am Tegeler See

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Das neue Jahr mit einem Beitrag vom Sommer des letzten Jahres zu beginnen, mag verwundern.
Die Idee entspringt dem Wunsch, an die fast unbeschwerten Sommertage im August in Berlin anzuknüpfen und dieses Gefühl als Hoffnung in das neue Jahr mitzunehmen.

Mein Sommerabend am Tegeler See

Ursprünglich wollte ich an der U-Bahn Station Holzhauser Straße aussteigen, um die Bernauer Straße entlang zu gehen, die street art in der Neheimer Straße zu fotografieren und dann zum Sonnenuntergang am Seeufer des Tegeler Sees entlang zu schlendern. Diese Route hatte ein paar Tage zuvor die Fotogruppe nAbend Berlin gemacht. Da ich zu dem Zeitpunkt leider noch nicht in Berlin war, konnte ich nicht daran teilnehmen und wollte mich alleine auf den Weg machen.

Diesen Plan habe ich dann aber verworfen, weil die Bernauer Straße sehr lang ist und es mir an diesem Tag einfach zu heiß war. Also habe ich meinen Walk gekürzt, bin bis zur U-Bahnstation Alt Tegel gefahren, von dort an den See gelaufen und am Ufer entlang flaniert mit einem kleinen Abstecher in die Veitstraße auf dem Rückweg.

Von der U-Bahnstation Alt-Tegel geht man die Fußgängerzone Alt-Tegel entlang mit wunderschönen Gründerzeitvillen und gefühlt zwei Eisdielen an jeder Ecke. Einen kurzen Abstecher zur Dorfkirche mit seiner imposanten Fassade habe ich mir noch gegönnt.

Ein Hauch Nostalgie

Der Tegeler See ist kein Unbekannter für mich. Es gibt Fotobeweise, dass ich am Tegeler See mit der Hand im Wasser gewesen bin. Man beachte meine schicken Schuhe und die damalige Trendfrisur Hahnenkamm.
Meine ersten beiden Lebensjahre habe ich in Berlin verbracht und meinen Großvater Paul ( d e r Paul, der mir das Fotografieren später beibrachte) in Tegel besucht. Er wohnte in der Veitstraße, ein paar Gehminuten vom Tegeler See entfernt. Eine Traumlage. Und das Haus, in dem er wohnte, heute ein Traumhaus: komplett saniert und renoviert bei vermutlich exorbitanten Mieten.

Barbara am Tegeler See

Die Greenwichpromenade

Am Ende von Alt-Tegel angelangt, stößt man auf die Greenwichpromenade und die Schiffsanlegestelle.
Die frühere Uferpromenade wurde 1966 anlässlich der Städtepartnerschaft mit dem Londoner Bezirk Greenwich in Greenwichpromenade umbenannt.
Zum Zeichen dieser Partnerschaft ziert den Eingang der Promenade ein Originalschild und eine traditionelle rote Telefonzelle, die in England leider im Aussterben begriffen sind. Interessant finde ich den daneben stehenden viktorianischen Postkasten mit den Initialen von Königin Victoria. V (ictoria) R (egina).

Zahlreiche Reedereien bieten Rundfahrten an. Fahrten nach Oranienburg, in die Berliner Innenstadt oder über Spandau und Wannsee zur Pfaueninsel, nach Potsdam und Werder ergänzen das Angebot. Die Promenade ist ein beliebter Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen.

Die Sechserbrücke

Als im 19. Jahrhundert die Besucher die Uferstraße bis zum Freibad Tegelsee entlang liefen, mussten sie das Tegler Fließ überqueren. Der dort ansässige Fischer bot den Fußgängern an, sie für fünf Pfennig mit seinem Kahn überzusetzen. Im Berliner Volksmund wurden fünf Pfennig mit Sechser bezeichnet, und so setzte der Fischer für einen Sechser über.

Mit zunehmendem Ausflugsverkehr war es nicht mehr möglich, alle Besucher zu transportieren.
So baute man einen Holzbrücke, die auch für das Wegegeld eines Sechsers passiert werden konnte.
1905, als der Hafen ausgebaut wurde, musste die Holzbrücke weichen.
1908 war die Nachfolgerbrücke, eine stählerne Fachwerkbogenbrücke über das Tegler Fließ fertig gestellt. 1921 baute man noch zwei Kassenhäuschen dazu. Bis 1922 kostete die Brückenüberquerung der Sechserbrücke noch einen Sechser.
Auf der einen Seite guckt man auf den Tegler See, auf der anderen Seite in den Tegler Hafen.

Malche Restaurant am See

An der Tegeler Seeuferpromenade gibt es mehrere Restaurants mit Biergärten. Für mich bot sich das Malche Restaurant am See an, ein gut-bürgerliches Restaurant mit sehr freundlicher Bedienung. Nach sehr langer Zeit habe ich mal wieder Berliner Leber mit Apfel und Zwiebel (wie bei Muttern) gegessen. Und dazu ein kühles Bier. Eine Wohltat!

Sonnenuntergang am See

Nach dem Essen bin ich fotografierend weiter am Seeufer geschlendert und habe das tiefstehende Sonnenlicht genossen. Und auf dem Weg zur U-Bahnhaltestelle Alt-Tegel habe ich mir an einer der vielen verlockenden Eisdielen noch eine Tüte Eis zum Nachtisch gegönnt.

24 Replies to “Sommerabend am Tegeler See”

  1. Liebe Barbara,
    mit Dir kann man wunderbar vom Sommer und Verreisen träumen!
    Und dann auch noch Berlin, das in normalen Zeiten mindestens einmal im Jahr unser Ziel ist. Drei Opernhäuser sind halt eine ständige Versuchung.
    In Tegel haben wir schon oft Station gemacht, in einem Hotel mit Blick auf den Tegeler See. Aber Deine Adressen und Spaziergänge kennen wir noch nicht, da es uns meist nach Mitte zog. Das werden wir nachholen und schon mal beginnen, davon zu träumen. Das fällt beim Anblick Deiner wunderbaren Bilder nicht schwer.
    Danke und liebe Grüße

    1. Liebe Barbara, lieber Karl Walter,
      vielen Dank für eure freundliche Rückmeldung. Mit diesem Beitrag in dieser Zeit habe ich offenbar den Nerv vieler meiner Besucher getroffen. Und habe mir dabei auch eine Freude bereitet. Gut, dass ich schon sehr schöne Reisen gemacht habe, von denen ich jetzt zehren kann. Und ich teile sie gerne mit euch!
      Liebe Grüße
      Barbara

  2. Liebe Barbara,
    es ist wie immer ein visueller Genuss dich auf deinen fotografischen Streifzügen hier begleiten zu dürfen. Deine „Ortsbeschreibungen“ lesen sich mit einer solchen Leichtigkeit und vermitteln einem in Verbindung zu deinen Bildern den Eindruck als sei man selbst vor Ort oder aber, was bei mir dann stärker ist, der Wunsch, da unbedingt mal hin zu wollen. Danke für die Freude beim Sehen und Lesen deiner Impressionen.
    Ute

    1. Liebe Ute,
      ich entführe dich gerne visuell und freue mich, wenn du selbst mal nach Berlin fährst. Meistens meidet man Großstädte im Sommer. Aber Städte am Wasser haben ihren besonderen Reiz im Sommer. Man kann sich den ganzen Tag draußen aufhalten, in der größten Hitze Ausstellungen besuchen und die lauen Abende bei gutem Essen am Wasser genießen. Ich sehne mich sehr danach!
      Liebe Grüße
      Barbara

  3. Liebe Barbara,
    es ist mir eine außerordentlich große Freude und Aufmunterung zugleich in dieser tristen Zeit deine wunderbaren Eindrücke deiner Berlin Reise genießen zu dürfen. Es gibt nur noch eins was besser wäre – selbst hinfahren. Und genau das habe ich mir für diesen Sommer vorgenommen.

    1. Liebe Angelika,

      das ist ein fantastischer Plan! Berlin ist immer eine Reise wert. Und dieses Ziel scheint auch einigermaßen realistisch!
      Liebe Grüße
      Barbara

  4. Hallo Barbara,
    ich höre heute zum ersten Mal von diesem See und du hast deinen Spaziergang so toll beschrieben, dass ich richtig Lust bekommen habe, dort einmal einen Abend zu verbringen.
    Ich danke Dir und
    viele Grüße Ulrika

    1. Liebe Ulrika,

      Berlin ist durchzogen und umgeben von Wasser: Spree, Havel, Wannsee, Müggelsee, Tegeler See … Wenn man nur selten in die Stadt fährt, setzt man andere Prioritäten. Das geht mir auch so. Aber diesen Sommer habe ich die abendlichen Spaziergänge am Tegeler See und der Spree genossen.
      Ich freue mich, dass ich dich auf den Geschmack gebracht habe.
      Liebe Grüße
      Barbara

  5. Liebe Barbara,
    in diesen – auch wettermäßig – tristen Zeiten ist Deine Story wirklich ein Lichtblick. Beim Betrachten der wunderbaren Fotos entschwebt man wirklich etwas in den Sommer – der Text tut sein Übriges.
    Vielen Dank und liebe Grüße!
    Rainer

    1. Lieber Rainer,

      sehr gerne! Meine Absicht war auch, den heute getroffenen Coronamaßnahmen etwas Positives entgegenzusetzen. Allerdings haben sich die Ministerpräsident*innen bis eben noch nicht entschieden, was mit Schulen und Kitas passieren soll. Vermutlich wird es wieder eine föderale „Vielfalt“. Ich kümmere mich derweil lieber um interessante Beiträge.
      Liebe Grüße
      Barbara

  6. Danke, liebe Barbara, Deine Fotos erinnern mich an meinen Ausflug von vor 2 Jahren im Mai zum Tegeler See. Damals hatte ich auch so schönes Wetter: Du hast die Atmosphäre wirklich gut eingefangen! Beim nächsten Mal solltest Du noch ein wenig weitergehen und der „Familie Humboldt“ in deren von Schinkel entworfenen Schloß einen Besuch abstatten, sowie der Dada-Künstlerin Hannah Höch, einer schillernden Person, der im Park eine Stele gewidmet wurde. Schon jetzt bin ich freudig-gespannt auf Deine Fotoausbeute!

    1. Liebe Ulrike,

      danke für deine Rückmeldung. Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall street art in der Neheimer Strasse fotografieren. Und wenn ich früher aufbreche, kann ich auch bis zum Schloß laufen. Es gibt so viel in Berlin zu tun. Wunderbar!
      Liebe Grüße
      Barbara

  7. Sehr schöne Bilder und Texte! Habe mir U-Bahn-Station gleich notiert für unsere Reise nach Berlin über den 25.6. , wenn sie denn stattfinden kann. Danke, Barbara.
    Hildegard

    1. Liebe Hildegard,

      danke für deine Rückmeldung! Ich wünsche dir sehr, dass deine Berlinreise klappt. Berlin steht für mich immer auf dem Programm. Allerdings muss es nicht Sommer sein. Durch Corona war das im letzten Jahr das einzig mögliche Zeitfenster. Und ich habe die Tage an der Spree oder am Tegeler See genossen.
      Liebe Grüße
      Barbara

  8. Das sind wirklich schöne Bilder und tolle Ausflüchte aus dem Grau in Grau aktuell. Viele Grüße, Katharina

    1. Liebe Katharina,

      danke für Ihre Rückmeldung! Ich freue mich, von Ihnen zu hören und hoffe sehr, dass es Ihnen gut geht. Die Zeiten sind für unseren Beruf (und viele andere!) nicht gerade einfach.
      Alles Gute!
      Barbara Habner

  9. Liebe Barbara,
    an diesem trüben Tag wahrlich eine Aufmunterung. Danke!
    Meine Mutter ist in Lichtenberg aufgewachsen und mein Opa Max hat mich in seinem Badezimmer in die Geheimnisse der fotografischen Laborarbeit eingeführt. Da er bei der BVG war, konnte er mit mir hemmungslos durch ganz Ost- und West-Berlin fahren. Die Mauer gab es noch nicht. Aber an eine Fahrt nach Tegel kann ich mich nicht erinnern. Schade, Deine Fotos lassen mir viel Platz für meine Erinnerungen an die Stadt-Touren mit meinem Opa. Mein Lieblingsziel war der Müggelsee. Da bin ich dann allerdings ganzkörperhaft ins Wasser gehüpft. Und zum Abschluss gab es dann immer eine Bockwurst mit ganz viel Senf. Das kennst Du doch auch sicherlich?
    Schöne Bilder, die durch meine eigenen Erinnerungen noch schöner werden.
    Lieben Gruß
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,

      da teilen wir ja Kindheitserinnerungen an Berlin! Ich fahre einmal im Jahr nach Berlin und entdecke immer wieder Neues. Da in diesem Sommer Außenbewirtschaftung angesagt war, habe ich mich fast nur draußen am Wasser aufgehalten und diverse Biergärten aufgesucht. Ich fotografiere auch gerne street art und gehe in Ausstellungen. Über die Ausstellung von Katharina Grosse und meine Abende an der Spree findest du Beiträge auf meiner Website.

      Herzliche Grüße
      Barbara

    1. Lieber Moritz,

      erkennst du mich etwa nicht? Zugegeben, eine Hahnenkammfrisur trage ich heute nicht mehr. Danke für deine positive Rückmeldung! Es bot sich bei diesem Thema an, etwas nostalgisch zu werden.
      Liebe Grüße
      Barbara

  10. Danke, Barbara, für diesen hoffnungsvollen Ausblick auf den nächsten Sommer. Tegel werde ich sicher mal auch auf deinen Spuren erkunden. Im norddeutschen Dauerregen bei 4 – 5° tun die Bilder gut.

    1. Sehr gerne, liebe Christiane!
      Das genau war meine Absicht. Das Wetter ist hier leider genau so schlecht wie bei dir. Aber ich will mich nicht runterziehen lassen, sondern „on the bright side of life“ schauen. Und da passte der heutige Tag für meinen Beitrag perfekt!
      Liebe Grüße
      Barbara

  11. Hallo Barbara, wie sehr hoffe ich, dass es bald wieder möglich ist, genau solche Ausflüge zu unternehmen. Tolle Bilder und mit den Hintergrundinfos dazu, wunderbar! Klein Barbara hat auch schon gerne Reisen unternommen wie man sieht… liebe Grüße

    1. Liebe Lisa,

      das geht mir auch so. Ich wollte gerne das fast unbeschwerte Gefühl vom letzten August mit euch teilen. Ich bin sicher, dass wir es wieder erleben können. Vermutlich war das schon damals eine Reise für mich, von Wilmersdorf, wo ich mit meinen Eltern gewohnt habe, mit meiner Mutter nach Tegel zu fahren.
      Auf jeden Fall war ich neugierig und abenteuerlustig.
      Liebe Grüße
      Barbara

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