Meinen Kalender 2026 habe ich der Stadt Florenz gewidmet.
Eine Freundin und ich hatten beschlossen, gemeinsam einen 14tägigen Sprachkurs in Italien zu machen, und unsere Wahl fiel auf Florenz.
Florenz, die Wiege der Renaissance mit wohlklingenden Namen wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, Boticelli oder Caravaggio, deren Werke in den Uffizien, dem Palazzo Pitti oder der Galleria dell’Accademia zu sehen sind.
Aber Florenz ist gleichzeitig ein Freilichtmuseum: Skulpturen, Brunnen, Kirchen, besonders der Dom mit seiner unverwechselbaren Kuppel oder Brücken über den Arno wie dem Ponte Vecchio.

Blick vom Giardino delle Rose
Der Charme und das italienische Flair entsteht überdies durch die engen Gassen, die Märkte, die Handwerkskunst wie Lederwaren oder Papierherstellung, das gute Essen und den toskanischen Wein.
Möglich wurde dieser kulturelle Reichtum durch mächtige Familien wie die Medici, die Kunst und Wissenschaft förderten, was sich in prächtigen Palästen wie dem Palazzo Vecchio und wunderschönen Plätzen wie der Piazza della Signoria oder dem Boboli-Garten widerspiegelt.
Das Deckblatt – Il Ponte Vecchio

Dieses Foto auf einen Teil des Ponte Vecchio habe ich aus einem Fenster der Uffizien gemacht, von wo man zwar nur 2/3 der Brücke einfangen kann, aber einen eindrucksvollen Ausblick auf die dahinter liegenden Brücken über den Arno hat.
Die Brücke ist die älteste Brücke in Florenz. Die heutige Steinbrücke ist zwischen 1335 und 1345 entstanden.
Die dreibogige Brücke ist symmetrisch angeordnet. Das linke und das rechte Drittel beherbergen aneinandergereihte kleine Läden, deren Eingänge zur Brücke gerichtet sind und rückwärtig jeweils eine Loggia haben.
In der Mitte ist die Brücke mit drei Arkadenbögen geöffnet. Von hier hat man einen schönen Blick auf die anderen Brücken.
Über der Ladenzeile sieht man – recht unscheinbar – eine gleichmäßige Reihe von Fenstern. Diese Fenster gehören zum 760m langen Vasari-Korridor, der den Palazzo Vecchio auf der Piazza della Signoria mit dem Palazzo Pitti am anderen Ufer des Arno verbindet. Er endet schließlich im Boboli-Garten.
Er wurde im Auftrag Cosimos I. de’Medici von Giorgio Vasari 1565 erbaut. Er bot einen sicheren, ungestörten Übergang vom Regierungssitz zur Privatresidenz. Außerdem waren ursprünglich auf der Brücke Metzger und Gerber ansässig.
Die Metzger warfen ihre stinkenden Abfälle in den Arno, die Gerber wuschen ihre Stoffe, die zuvor mit Pferdeurin gegerbt wurden.
1593 wurden sie per Dekret von Cosimo I. de’ Medici durch Goldschmiede ersetzt, da diese keinen Abfall produzierten.
Und dieses Bild zeigt sich auch heute. Ein Juweliergeschäft reiht sich an das andere mit entsprechend finanzkräftigem Publikum. Nur unterbrochen von einigen Souvenirläden. Es ist ein ziemliches Gedränge, aber die spannende Architektur und die Ausblicke lohnen sich.
Gennaio – Michelangelo Leather Works
Nel cuore pulsante di Firenze, sotto l’ombra protettiva della Basilica di Santa Croce, nasce nel 1960 un sogno tessuto in pelle e oro: l’Atelier Michelangelo Leather Works.
Im pulsierenden Herzen von Florenz, im schützenden Schatten der Basilika Santa Croce, wurde 1960 ein Traum aus Leder und Gold geboren: Atelier Michelangelo Leather Works. Jedes Stück, das unser Atelier verlässt, ist ein Stück Geschichte, ein Kapitel unserer langen Handwerkstradition, die sich stetig weiterentwickelt und Michelangelos Vermächtnis bewahrt. Mit künstlerischem Geschick, vom Nähen bis zum Zuschneiden, vom Polieren bis zum Vergolden, schreiben wir unsere Hommage an die Stadt Florenz – eine Brücke zwischen dem Genie der Vergangenheit und der Innovation der Zukunft.
Ogni pezzo che esce dal nostro atelier è un frammento di storia, un capitolo della nostra lunga tradizione artigiana che continua a evolversi, mantenendo sempre viva l’eredità di Michelangelo.
Con sapienza artistica, dalla cucitura al taglio, dalla brunitura alla doratura, scriviamo il nostro omaggio alla città di Firenze, ponte tra il genio del passato e l’innovazione del futuro.
https://michelangelo1960.com/
So stellt sich Michelangelo Leather Works auf ihrer Website vor, und es spricht aus den Worten der Stolz auf die traditionsreiche Handwerkskunst, die in Santa Croce sull’Arno ihren Ursprung hat.

In dieses großzügige Lederwarengeschäft sind wir am ersten Tag unseres Aufenthaltes, einem Sonntag, reingestolpert. Wir haben einen Seiteneingang genommen und schauten bei der Herstellung von Ledertaschen kurz zu.
Der Haupteingang liegt an der Piazza Santa Croce 8.


Und daran anschließend erschloss sich der große Verkaufsraum mit einem vielfältigen und farbenfrohen Angebot an Lederwaren. Man konnte sich kaum sattsehen. Der Preis hielt uns allerdings vor Käufen ab.
Beim zweiten Besuch an einem Montag war es ziemlich leer und ich konnte ein paar Aufnahmen machen. Ich habe mir dann doch ein Etui für meine Visitenkarten mit Monogramm gekauft.


Die Geschichte des Leders in Florenz begann im 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurde die Lederverarbeitung von einer der ältesten Zünfte der Stadt geregelt: der Arte dei Cuoiai e dei Galigai. Werkstätten florierten im Bereich von Santa Croce, wo das Wasser des Arno-Flusses zum Gerben von Häuten genutzt wurde.
Im 15. Jahrhundert erlebte Florenz seinen kulturellen Höhepunkt. Leder wurde mehr als nur ein nützliches Material: es war eine Fläche zum Dekorieren, Formen und Skulptieren. Etuis, Handschuhe, Handtaschen und Buchbindungen mit handverziertem Leder wurden geschaffen. Jedes Stück war einzigartig, entworfen für Adlige, Mäzene, Reisende und Händler.
Im 20. Jahrhundert wurde Florenz zu einem wichtigen Zentrum des Made in Italy. Mit dem Aufstieg der Luxuslederwaren wählten immer mehr internationale Marken die Florentiner Region für ihre Produktion.
Kein Wunder, dass es in Santa Croce auch eine Schule des Lederhandwerks – La Scuola di Cuoio – gibt.
https://www.arte.tv/de/videos/120666-002-A/toskana-die-tradition-des-lederhandwerks
Febbraio – Santa Croce e Palazzo Vecchio

Santa Croce an einem regnerischen Tag beschert einem einen freien Blick über die fast leere Piazza Santa Croce und auf die eindrucksvolle Fassade der Kirche, wie man sie zum Beispiel auch von Santa Maria Novella kennt.

Die heutige vorgesetzte –inkrustierte – Fassade wurde erst 1857-1863 ausgeführt nach mehrfach überarbeiteten Entwürfen des Architekten Nicola (Niccolo) Matas (1798-1872). Sie besteht aus Marmor in verschiedenen Farben. Hauptsächlich weiß, sowie dunkel-grün-grauem Serpentin.
Eine Renaissance-Fassade mit wenigen gotischen Anklängen. Der Architekt Nicola Matas hatte jüdisch-spanische Wurzeln. Deshalb wird der große Sechsstern (Hexagramm) im Giebeldreieck als Davidstern interpretiert. (Nach Norbert Rauscher, fotografie-architektur.de)
Die größte Franziskanerkirche Italiens wurde im 16. Jahrhundert zu einem Pantheon, in dem die Gräber der wichtigsten florentinischen und toskanischen Persönlichkeiten wegen ihres politischen Engagements und wegen ihres Genies untergebracht sind.

Heute ist Santa Croce ein Museumskomplex, der die Basilika, die Kapellen, den Kreuzgang, den Glockenturm und den ausschließlich Ausstellungen gewidmeten Teil, wie das ehemalige Refektorium, vereint.

Das zweite Foto des Monats Februar zeigt die enge Gasse, die zur Piazza della Signoria führt, gesäumt von Lederwaren-und Papierwarengeschäften, kleinen Restaurants und allerlei Florenz Andenken.
Vorne links im Bild stehen Damen mit Regenschirm an, um an einer Buchetta del Vino ein Glas Wein zu kaufen. Dazu mehr im Monat Juli.

Der markante Turm des Palazzo Vecchio ist von weither sichtbar.
Wir haben uns bei Regenwetter auf der wenig belebten Piazza della Signoria aufgehalten und auch bei Sonnenschein mit moderaten Menschenmassen.
Wir haben uns in der Vorhalle des Palazzos untergestellt mit der entzückenden Bronzestatue Putto mit Delphin von Andrea del Verocchio und den Turm und die Architektur bewundert. Drinnen waren wir leider nicht.

Der Palazzo Vecchio wirkt wie eine Festung mit einem Wehrturm. Er dominiert die Piazza della Signoria und wirkt einschüchternd. Ich schätze, genau das war die Absicht der Auftraggeber.


Der Palazzo Vecchio ist eines der bedeutendsten Gebäude in Florenz und ein zentraler Teil der italienischen Renaissancegeschichte. Ursprünglich als Sitz der Regierung von Florenz errichtet, diente er später als Wohnsitz der Medici, einer der einflussreichsten Familien dieser Epoche.
Der Palazzo Vecchio steht nicht nur für politische Macht, sondern beherbergt auch einige der beeindruckendsten Kunstwerke der Zeit. Von seiner mittelalterlichen Architektur bis hin zu den prunkvollen Fresken im Inneren ist dieser Palast ist ein Symbol florentinischer Kultur und Macht.
Marzo – Carlo Portelli 1555
Auf dem Gemälde steht am unteren Rand Carlo da Loro Fiorentino 1555. Unter dem Namen ist das Bild aber schwer zu finden. Sondern nur unter dem Namen Carlo Portelli.
Unter dem Gemäldenamen Disputa sull’immaculata cocezione (Disput über die unbefleckte Empfängnis) wird fast ausschließlich das gleichnamige Bild des Malers von 1566 zitiert, das in der Galleria dell’Accademia hängt, nicht aber das von 1555, das in Santa Croce hängt. Die beiden Bilder sind unterschiedlich.
Der Disput über die unbefleckte Empfängnis Marias, der Gottesmutter, scheint in der Renaissance wieder aufgeflammt zu sein. Entschieden wurde er endgültig 1854 in einem Dogma der katholischen Kirche.

Disput hin oder her, mich haben an dieser Version die beiden schlafend aussehenden Personen ( Adam und Eva, die laut kirchlicher Lehre die Sünde in die Welt gebracht haben) fasziniert.
Einmal der friedliche Gesichtsausdruck und die Positionierung Kopf an Kopf.
Zum anderen die farbliche Gestaltung. Beide sind rothaarig. Das Frauenhaar hat besondere Lichtakzente. Über ihnen ein grüner Faltenwurf und ein bisschen rot. Sinnlich und harmonisch.
Ich will euch aber nicht das komplette Gemälde vorenthalten.
Die beiden von mir ins Rampenlicht gehobenen Figuren, Adam und Eva, spielen wortwörtlich eine untergeordnete Rolle.
Im Zentrum (irdische Sphäre) sitzen Kirchengelehrte, die sich gegenseitig mit der für sie richtigen Textstelle von ihrer Meinung überzeugen wollen.
Die zwei Gelehrten in der Mitte und der rechts bekommen jedenfalls nicht mit, was sich über ihnen gerade tut.
Gezeigt wird nämlich im oberen Teil des Bildes (der himmlischen Sphäre) Marias Himmelfahrt:
Maria schwebt in hellrotem Kleid und blauem Mantel, umringt von einer munteren Engelsschar, in Richtung Himmel mit diesem seltsam verklärten Blick.
Die Engel und der Mönch links (Bernhard von Clairvaux) tragen ihre Botschaften auf schmalen Bannern in lateinischer Sprache vor sich her.
Die Inschriften beziehen sich auf das Dogma der Unbefleckten Empfängnis, welches besagt, dass Maria zwar eine menschliche Nachfahrin Adams ist, aber ohne Erbsünde empfangen wurde.
How complicated. Kein Wunder, dass mich das sündige Paar mehr beeindruckt hat!

Aprile – La cupola del Duomo e una passegiata nelle Gallerie degli Uffizi

Ich liebe es, beim Fotografieren auch nach oben zu schauen und dabei stehen zu bleiben.
Mein Foto zeigt den Blick in die achteckige Kuppel des Domes Santa Maria del Fiore, die nur durch die acht runden Fenster und durch die Laterne mit Tageslicht gespeist wird.
Ich finde, dass das Oktogon der Kuppel nach dem Kreis die gefälligste geometrische Form ist.
Ganz abgesehen von der christlichen Symbolik.
Da die lichte Höhe der Kuppel vom Boden bis zur Laterne 90 m beträgt, wirkt die Kuppel von unten viel dunkler als auf meinem bearbeiteten Bild.
Von unten kann man die Details der Ausmalung der Kuppel kaum ausmachen.
Nur der/die Sportliche und Mutige mag die 463 Stufen erklimmen und wird mit den Fresken aus nächster Nähe belohnt.
Leider nichts für mich.
Die Fresken stellen das Jüngste Gericht dar. Ursprünglich von Giorgio Vasari begonnen und nach seinem Tod von Federico Zuccari vollendet, bedeckt das Fresko eine Fläche von über 3.600 m² – das größte seiner Art weltweit.
Die Szenen zeigen den Aufstieg der Seligen in den Himmel und die Verdammung der Sünder in die Hölle.
Das Narrativ ist in einzelne Schichten aufgeteilt und folgt auch der Struktur der acht Segmente der Kuppel.
Das ikonographische Programm geht auf den Florentiner Humanisten Vincenzo Borghini zurück, der sich wiederum auf Dantes Divina Commedia beruft.

Das östliche Segment steht für sich, ist vom Kirchenschiff aus noch am leichtesten zu erkennen, stimmt mit dem Hauptaltar überein und repräsentiert den theologischen Dreh- und Angelpunkt des gesamten Altarraums:
Es ist das Symbol des achten Tages, der Zeit der Ewigkeit, die mit dem Ende der Welt beginnt.
Dort wird Christus, der Richter, dargestellt, der zu den Wolken zurückkehrt, um die Menschheit zu richten, und daher von einem Engel flankiert wird, der ihm das Schwert reicht, mit dem er die Gerechten von den Ungerechten scheiden soll.
(Nach https://duomo.firenze.it/en/opera-magazine/post/11216/)

Einmal in die Uffizien in Florenz zu gehen, ist schon fantastisch. Und wir haben sie gleich zweimal besucht. Das reicht noch lange nicht, um alle Schätze dieses Museums zu entdecken.
Und vor allen Dingen: man ist niemals allein. Wir haben uns die Highlights der Malerei angeschaut mit einem Raumplan. Dort war es natürlich besonders voll. Aber es gab kein Gedränge. Mit Geduld konnte man sich jedes Kunstwerk in Ruhe anschauen. Und es ist schon etwas besonderes, wenn man z.B. vor Boticellis Geburt der Venus steht, die man schon so oft in Kunstdrucken und Werbung gesehen hat.

Umso erstaunlicher ist es, dass es mir gelang, einen menschenleeren Korridor in den Uffizien zu fotografieren. Ich musste ein bisschen warten, bis der letzte Besucher um die Ecke gegangen war und dann bot sich mir der sonnendurchflutete Gang, gesäumt von antiken Büsten und Skulpturen und der Spiegelung der Fensterrahmen auf dem Fußboden.
Die Galerie erstreckt sich über das gesamte erste und zweite Obergeschoss des großen, zwischen 1560 und 1580 erbauten und von Giorgio Vasari entworfenen Gebäudes. Sie ist weltweit berühmt für ihre herausragenden Sammlungen antiker Skulpturen und Gemälde (vom Mittelalter bis zur Moderne).
Die Gemäldesammlungen des 14. Jahrhunderts und der Renaissance umfassen einige absolute Meisterwerke: Giotto, Simone Martini, Piero della Francesca, Beato Angelico, Filippo Lippi, Botticelli, Mantegna, Correggio, Leonardo da Vinci, Raffael, Michelangelo und Caravaggio, neben zahlreichen wertvollen Werken europäischer Maler (vorwiegend deutscher, niederländischer und flämischer).
Darüber hinaus beherbergt die Galerie eine unschätzbare Sammlung antiker Statuen und Büsten aus der Familie Medici, die die Korridore schmückt und aus antiken römischen Kopien verlorener griechischer Skulpturen besteht.
Maggio – Immagina un mondo nuovo
Vom 10. Mai bis 8. August 2025 war die Ausstellung Humanitas – La Forza dell’Amore (Humanitas | Die Kraft der Liebe) des Bildhauers Andrea Roggi in und vor der Kirche San Lorenzo zu sehen. Uns haben die Skulpturen auf dem Rückweg von der Galleria dell’Accademia sofort in ihren Bann gezogen.
Roggis monumentale Bronzen, die international Anerkennung finden, vereinen Ausdruckskraft mit technischer Meisterschaft.


Seine Figuren verwandeln sich in Baumstämme und Olivenzweige mit goldenen Blättern und symbolisieren Frieden und den Baum des Lebens, ein wiederkehrendes Motiv in seinem Werk. Die in der Erde verankerten Wurzeln rufen tiefe Verbundenheit mit unserer Vergangenheit und der Natur hervor, während seine patentierte dynamische Gusstechnik scheinbar der Schwerkraft trotzende Balancen ermöglicht.

Auf seinem Instagram Account beschreibt Andrea Roggi seine Skulptur Immagina un nuovo mondo wie folgt:
Nell’opera IMMAGINA UN MONDO NUOVO la terra è vita nell’unione del tutto. Dalla sfera bronzea si ritagliano piccole figure sagomate, tasselli fondamentali per comporre il girotondo di una nuova umanità.
Andrea Roggi auf Instagram
In dem Werk Stell dir eine neue Welt vor ist die Erde das Leben in Einheit mit allem. Kleine, konturierte Figuren sind aus der Bronzekugel herausgearbeitet, wesentliche Bestandteile des Kreises einer neuen Menschheit.
Giunio – Ponte Santa Trinita

Wie wunderschön sind diese zarten rosa-orange-lila Farbtöne des Himmels und seiner Spiegelung im Wasser des Arno!
Wir sind kurz nach Sonnenuntergang auf der Ponte Vecchio entlang gegangen, und ich habe dieses Foto in der Mitte der Brücke bei den offenen Arkadenbögen gemacht.
Die ursprüngliche Ponte Santa Trinita wurde 1252 erbaut und nach der daneben liegenden gleichnamigen Kirche benannt.
Nach der verheerenden Flut von 1557 beauftragte Cosimo I. de‘ Medici Bartolomeo Ammannati mit dem Wiederaufbau der Brücke, der sich von einem Projekt Michelangelos inspirieren ließ.
Die Brücke aus starkem Stein und mit Gedenkinschriften verziert, wurde als die eleganteste betrachtet, würdig der großherzoglichen Umzüge, die über sie zogen.
Von den Deutschen beim Rückzug im Jahr 1944 zerstört, wurde die Brücke 1958 originalgetreu wieder aufgebaut.
Luglio – Le Buchette del Vino


Die einladende Osteria San Fiorenzo mit Außenbestuhlung hat gleich neben ihrem Eingang ein kleines Loch in der Wand mit einer bogenförmigen Öffnung am oberen Ende (Foto rechts).
Diese Weinlöcher oder schöner Weinfenster befinden sich im Erdgeschoss der Hauptfassade von Gebäuden, meist neben dem Haupteingang wie bei der Osteria San Fiorenzo.
Dort standen Kunden, die sich ein Glas Wein bestellten und das Loch in der Wand diente als Durchreiche.
Um auf sich aufmerksam zu machen, gibt es hier eine Tischglocke.
Und für alle Besucher war es eine Mordsgaudi.
Weinfenster können aber auch in eine Holztür eingearbeitet sein, wie in der Buchetta del Duomo mit Blick auf den eindrucksvollen Dom. In dieser Buchetta benutzt man einen Türklopfer, um auf sich aufmerksam zu machen (Foto links).
Die Hintergründe und die Entwicklung der Weinfenster in Florenz habe ich in einem gesonderten Beitrag veröffentlicht.
Eine spannende Geschichte. Und deshalb gehe ich an dieser Stelle nicht mehr darauf ein.
(https://fotografieundreisen.de/buchette-del-vino-una-curiosita-fiorentina/)
Agosto – Il Giardino di Boboli

Giardino di Boboli, Isolotto, Fontana dell’Oceano
Die Gartenanlage, die hinter dem Palazzo Pitti liegt, dem Hauptsitz der Medici als Großherzöge der Toskana, ist einer der bekanntesten italienischen Gärten des 16. Jahrhunderts.
Im Gartenbaustil der Zeit weist er lange Achsen auf, breite Kieswege, den verschwenderischen Einsatz von Statuen und Brunnen, und klassische Akzente wie Grotten und Nymphen. Die Offenheit des Gartens, der einen ausgedehnten Blick über die Stadt erlaubt, war für die Zeit ungewöhnlich.

Die Hauptachse, die auf die rückwärtige Fassade des Palazzos gerichtet ist, steigt von einem tiefgelegenen Amphitheater – das in seiner Form an ein halbes klassisches Hippodrom erinnert – auf den Bobolihügel hinauf. In der Mitte des Amphitheaters steht ein ägyptischer Obelisk, der von der Villa Medici in Rom hierher gebracht wurde. Diese Hauptachse endet am Neptun-Brunnen und einer Skulptur von Stoldo Lorenzi. Eine lange zweite Achse im rechten Winkel zur Hauptachse führt durch eine Reihe von Terrassen und Wasserspielen.


Wir haben uns an einem sonnigen Sonntag Zeit genommen, den Garten zu erkunden. Oberhalb der Fontana di Nettuno gab es bequeme Stühle im Schatten der Bäume und dort haben wir eine Siesta gemacht. Ein perfekter Ort! Weiter ging es an der Zypressenallee und an vielen Statuen vorbei bis zur Isolotto mit der Fontana dell’Oceano.


Auf der Piazzale del Isolotto wurde 1618 ein künstlichen See, der Isolotto, angelegt, in dessen Zentrum die Fontana dell’Oceano (Ozeanbrunnen) steht (das Oval rechts unten auf der Karte).
Bei Homer ist Okeanos sowohl Ursprung der Welt, als auch der Strom, der die Welt umfließt und vom Meer unterschieden wird. Er ist der Ursprung der Götter sowie aller Flüsse, Meere, Quellen und Brunnen.
Die Skulptur des Gottes Okeanos wurde von Giambologna 1576 geschaffen und befand sich ursprünglich im Amphitheater des Boboli-Gartens. Sie steht nun in einer riesigen Schale aus Granit von der Insel Elba und ist umgeben von Skulpturen der Flussgötter Nil, Ganges und Euphrat.
Die Perspektive meines Kalender-Fotos zeigt nur die Rückseite der Brunnenfigur. Mein Fokus lag auf der Spiegelung der Figur und der wunderschönen weißblütigen Pflanzen. Außerdem gefiel mir das Geländer besonders gut.
Settembre – Giunione di Lorenzo Bartolini
Selbstverständlich gingen wir wegen des Originals von Michelangelos David in die Galleria dell’Accademia.
Wir wussten, dass es dort auch eine berühmte Gemäldesammlung gibt, die wir aber weitgehend verschmäht haben.
Dafür hat es uns die Gipsoteca di Bartolini besonders angetan.
Ein Raum voller Büsten, Ganzkörperfiguren und monumentalen Grabskulpturen!
Der ehemalige Krankenhausflügel beherbergt heute eine Galerie mit Gipsabgüssen, die den Modellen des Künstlers und Akademieprofessors Lorenzo Bartolini aus dem 19. Jahrhundert gewidmet ist.
Dieser Raum bildet das Atelier des Bildhauers ideal nach.

Die Gipsoteca ist der letzte Baustein im Erneuerungsprozess der Galleria dell’Accademia di Firenze.
Cecilie Hollberg, Direktorin der Galleria dell’Accademia
Die restaurierten und gereinigten Gipsabdrücke kommen durch das helle Puderblau der Wände so gut zur Geltung, dass sie lebendig wirken. Das Ergebnis ist großartig! Wir sind stolz und glücklich, dass wir es nun mit allen teilen können.
Und man kann Frau Hollberg nur zustimmen. Die Gipsabdrücke vor den puderblauen Wänden sind sehr eindrucksvoll.
Begeistert hat mich das Werk Giunione mit seiner grazilen, entspannt-lässigen Eleganz der Juno, die es sogar im Doppelpack gibt!
Ich habe die beiden eine Weile lang angeschaut, auch, um einen günstigen Augenblick zum Fotografieren zu erwischen, und da sind mir die schwarzen Punkte auf den Gipsabdrücken aufgefallen, die wir auch auf anderen Figuren entdeckt hatten. Wir haben dann beim Museumspersonal nachgefragt und haben auch eine plausible Antwort bekommen.
Die Werke in der Gipsoteca sind Tonmodelle, die von einer verloren gegangenen Originalform abgegossen wurden.
https://www.accademia.org/it/esplora-il-museo/le-sale/gipsoteca-bartolini/
Beim Grobbehauen des Marmorblocks wurden Nägel oder Metallspitzen in das fertige Modell eingesetzt, um präzise Markierungen für die verschiedenen zu glättenden Ebenen zu schaffen.
Die dunklen Flecken auf den Oberflächen der ausgestellten Modelle sind genau die Spuren dieser Nägel, die für die Umsetzung des Motivs in Marmor unerlässlich waren.

Lorenzo Bartolinis Juno ist ein Werk, das technische Meisterschaft, emotionale Tiefe und symbolische Bedeutung vereint. Durch seine Bearbeitung des Marmors und die ausgewogene Komposition gelingt es Bartolini, nicht nur eine Göttin, sondern auch einen menschlichen Charakter mit Stärke und Verletzlichkeit darzustellen. Diese Skulptur ist nicht nur eine Hommage an die klassische Mythologie, sondern auch eine Auseinandersetzung mit inneren Konflikten und universellen Emotionen und somit ein zeitloses Meisterwerk.
https://www.conoscifirenze.it/sculture/
Ottobre – Il Duomo
Das Wahrzeichen von Florenz ist der Dom mit seiner einzigartigen Kuppel von Filippo Bruneleschi und dem Campanile (Glockenturm) von Giotto di Bondone.
Die Kuppel des Doms von Florenz definiert die Skyline der Stadt und zieht jährlich Millionen von Besuchern an.
Mein Foto zeigt den Blick aus der Caffeteria degli Uffizi, wo wir nach den Kunsteindrücken in den Innenräumen bei Kaffee und Kuchen diese eindrucksvolle Kulisse außen genießen konnten.
Weiter rechts (außerhalb des Fotos) sieht man auf den mächtigen Turm des Palazzo Vecchio.

La cupola è un capolavoro assoluto dell’arte che incanta il mondo fin dalla sua realizzazione: è il simbolo di Firenze, del Rinascimento e dell’umanesimo occidentale.
Die Kuppel ist ein absolutes Meisterwerk der Kunst, das die Welt seit ihrer Entstehung verzaubert: Sie ist das Symbol von Florenz, der Renaissance und des westlichen Humanismus.
Brunelleschi, ein Architekt und Ingenieur mit visionärem Geist, revolutionierte die Baukunst seiner Zeit.
Ohne moderne Gerüste oder Stützsysteme errichtete er die Kuppel mit einer innovativen Technik:
Er verwendete ein System aus ineinandergreifenden Ziegelsteinen in Fischgrätmuster, das während der Erbauung für Stabilität sorgte. Diese Methode, inspiriert von der antiken römischen Baukunst, ermöglichte es, die riesige Struktur ohne zusätzliche Abstützungen in die Höhe zu ziehen.

Der Durchmesser der Kuppel beträgt beeindruckende 45,5 Meter – ein Rekord, der bis heute unübertroffen ist. Die doppelschichtige Konstruktion, bestehend aus einer inneren und einer äußeren Schale, reduziert das Gewicht der Kuppel und verleiht ihr gleichzeitig ihre charakteristische Form.

Der Campanile des Florentiner Doms Santa Maria del Fiore, ist ein 84,7 Meter hoher, frei stehender Turm mit einer prächtigen Fassade aus weißem, grünem und rosa Marmor, begonnen von Giotto und vollendet von Talenti und Pisano. Er bietet einen spektakulären Panoramablick über Florenz und die Domkuppel, erreichbar über 414 Stufen (!), und ist reich verziert mit Reliefs und Skulpturen über die Menschheit, die Künste und die Wissenschaften.
Novembre – Il David di Michelangelo
Wunderwerk, Schönheitsidol, Identifikationsfigur – Michelangelos David fasziniert die Menschheit nach einem halben Jahrtausend noch immer.
Michelangelo meißelte den David zwischen September 1501 und Mai 1504 und schuf mit ihm eine Ikone der Renaissance mit riesigen Dimensionen und Proportionen.
Der David ist über 5 Meter hoch und wiegt mehr als fünf Tonnen.
Michelangelo beschloss jedoch, mit diesem Werk den Moment kurz vor dem Kampf darzustellen.
Wir sehen einen jungen David, der bereit ist den Riesen zu erschlagen, mit einem Stein in der rechten Hand und einer Steinschleuder auf der linken Schulter.

Die Anspannung des jungen Schafhirten vor seinem schrecklichen Feind wird von Michelangelo durch Einzelheiten wie der intensive Ausdruck in seinen Augen, einer klaren Anspannung der Muskeln mit den hervortretenden Venen, in denen das Blut noch zu fließen scheint, dargestellt.
Der überlebensgroße Held zeigt einen athletischen Männerakt im klassischen Kontrapost. Das gesamte Gewicht der Figur ruht auf seinem rechten Bein, wodurch die Hüfte nach rechts verschoben wird. Das linke Bein scheint leicht vom Boden abgelöst zu sein. Der Torso gleicht diese Bewegung wieder aus. Kopf und Blick sind nach links gerichtet. In der rechten Hand hält David einen Stein, mit der Linken die Schleuder lässig über die Schulter geworfen.
Detailaufnahmen vom Kopf zeigen übergroße, weit geöffnete Augen, eine gerunzelte Stirn und zusammengezogene Augenbrauen. Der ruhenden Körperhaltung stellt Michelangelo einen angespannten Blick gegenüber. Michelangelos Interesse gilt dem Moment vor der Aktion – und nicht wie die David-Darstellungen seiner Vorgänger das Nachdenken oder Triumphieren danach.
Mit dieser Statue des David beschritt Michelangelo in mehrfacher Hinsicht neue Wege in der Florentiner Kunst und etablierte sich so neben Leonardo als ein Hauptmeister der Hochrenaissance.
Am deutlichsten ist seine Auffassung des menschlichen (männlichen) Körpers. Vorbereitende Zeichnungen (z.B. Musée du Louvre) zeigen, wie sehr sich Michelangelo mit der Position der Beine und deren Bewegung auseinandersetzte.
Michelangelos biblischer Held ist als Verkörperung der Heimatverteidigung gemeint: Seine Kraft und Entschlossenheit erhält er von Gott. Am Ende triumphiert er über das Böse, so groß und mächtig es auch auf den ersten Blick aussehen mochte.
Die Republik Florenz sah darin ein Symbol für Freiheit und Stärke.
Wer hätte gedacht, dass auch eine Statue wie der David wie jede andere Sache auch entstaubt werden muss?
Cecilie Hollberg, Direktorin der Galleria dell’Accademia
https://www.galleriaaccademiafirenze.it/de/accademia-online
Michelangelos David, das Prunkstück der Galleria dell’Accademia di Firenze, wird tatsächlich alle zwei Monate entstaubt.
Das Intervall wird anhand von Erfahrungswerten festgelegt, überprüft und angepasst, um zu verhindern, dass sich Ablagerungen und Staub bilden, die den Glanz des Marmors mindern und die Oberfläche vergrauen lassen.
Diese kontinuierliche, schonende Reinigung stellt sicher, dass keine konservatorischen Probleme entstehen, indem beispielsweise die Bildung von Kolonien biologischer Schadorganismen und die Ansammlung von Substanzen vermieden werden, die durch Menschen, Luft und Wasser (in Form von Feuchtigkeit) potenziell schädlich sein können.
Das ist gerade in der Galleria dell’Accademia notwendig, einem Museum, in dem der ununterbrochene Besucherstrom Hunderttausender Menschen unweigerlich Staub und Luftpartikel aufwirbelt, die sich auf den ausgestellten Werken und den architektonischen Reliefs in den Räumen absetzen.
(Begleittext zum Video)

Das zweite Foto im November zeigt eine Kopie des David auf der Piazza della Signoria. Er rahmt den Eingang zum Palazzo Vecchio zusammen mit der Gruppe Herkules und Cacus ein. Aber die meisten Augen sind auf David gerichtet.
Meine Freundin entdeckte ein Foto von David mit seinem Schatten in unserer Sprachenschule.
Diese Idee nahm ich mit auf die Piazza della Signoria und eines Tages ergab sich eine Beleuchtung, die den David einen Schatten seines Körpers auf die Mauer werfen ließ.
In schwarz-weiß entwickelt, entfaltet sich der Kontrast zwischen der hellen Skulptur und ihres Schattens an der Wand besonders eindrucksvoll.
Decembre – Il Ponte Vecchio di notte

Für den Dezember habe ich nochmal den Blick auf den Ponte Vecchio gewählt. Er rahmt den Kalender ein.
Ich habe eine Nachtaufnahme von der Mitte des Ponte alle Grazie auf den Ponte Vecchio gemacht, um eine Symmetrie herzustellen. Man sieht den Ponte Vecchio mit seinen drei Arkadenbögen in der Mitte. Und links und rechts davon die Loggien mit den Ladengeschäften. Links und rechts von der Brücke die Häuserfronten am Ufer des Arno. Es fällt abends viel mehr auf, dass die Brücke und die Häuserfassaden in Ocker-, Sand-, Terrakotta- und warmen Gelbtönen gehalten sind.
Ein sehr harmonisches Bild.
Das besondere an dem Foto ist aber die Spiegelung der Brücke und der Häuserfassaden im Arno.
Spiegelungen erschaffen eine visuelle Parallelwelt, die das Bild erweitert und ihm eine surreale Note verleiht. Die Magie der Spiegelung liegt darin, dass sie eine umgekehrte Perspektive bietet, die das Auge dazu zwingt, das Bild genauer zu betrachten und hoffentlich fasziniert von dem Foto zu sein.

Darf’s noch ein bisschen mehr Florenz und Toskana sein?
Bitte einfach das Foto anklicken!


Hallo liebe Barbara,
Vielen lieben Dank für die großartigen Florenz-Fotos und auch die umfangreichen Text-Passagen. Du hast Dir unglaublich viel Mühe gemacht – toll!!! Ich möchte sofort wieder nach Florenz reisen….
Liebe Grüße
Kerstin
Liebe Kerstin,
danke für deine prompte Rückmeldung!
Es war mein erstes mal in Florenz. Ich habe schon Landschaftsfotografie in der Toskana gemacht und war einen Tag in Siena. Da waren 14 Tage in Florenz aber schon etwas anderes. Als „Schülerinnen“ haben wir uns auch weniger als Touristen gefühlt und haben uns keinen Stress gemacht.
Wir waren Anfang Mai in Florenz. Da war schon einiges los, besonders an den neuralgischen Punkten Piazza della Signoria, dem Dom, den Uffizien oder der Galleria dell’Accademia. Dafür war es schon warm genug, um das Leben draußen zu genießen, und die Gärten und Plätze waren perfekt dafür.
Liebe Grüße
Barbara