Fotoreise Porto und Lissabon – Teil I: Porto

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Ich kannte bisher nur die Felsalgarve von Portugal und habe einen Ausflug ins Landesinnere gemacht. Von beidem war ich sehr beeindruckt. Allerdings war das ein Laufurlaub, wo das Joggen am Meer im Vordergrund stand.
Mir gefällt die Lage am Wasser, das südliche Flair, die Sprache, die durch ihre Zischlaute und Betonungen exotisch klingt und die fisch-betonte portugiesische Küche. Hinzu kommen die reichen Zeugnisse einer bewegten Geschichte und Kultur.

Da traf es sich gut, dass ich auf die Fotoreise nach Porto und Lissabon mit Alexander Müller aufmerksam wurde.

Nice Fotos und verdiente Gönnung

Unter diesem Motto stand Alexanders Fotoreise nach Porto und Lissabon.
Für mich ein Volltreffer, denn die langen Tage, das Schleppen der Kameraausrüstung treppauf, treppab und das konzentrierte Fotografieren sind durchaus anstrengend.
Deshalb war die Belohnung mit Espresso, gutem Essen, Wein und Portwein in entspannter Runde und landestypischen Lokalen uns allen willkommen.

Unsere Gruppe

Wir waren eine lockere, sechs-köpfige Gruppe aus Deutschland (Berlin, Koblenz, München) und Österreich (Graz, Salzburg, Wien). Mit Lust, fotografisch Neues auszuprobieren, Gelerntes zu festigen und sich gegenseitig auszutauschen und zu unterstützen.
Alexander, unser Fototrainer, hat uns mit seinem Wiener Charme, unendlich viel Geduld und stets gut gelaunt  durch das abwechslungsreiche Programm geführt. Immer Empfehlungen für Kameraeinstellungen und Perspektiven gegeben und zu bestimmten Themen kleine Aufgaben zur Orientierung gestellt.

Fotografische Schwerpunkte

Übergeordnete Aufgaben für die ganze Reise

• Fassaden
• Türen
• Spiegelungen

Fotoschwerpunkte

  • Architektur (Totalen und Details)
  • Stadtlandschaft
  • Landschaft (Dourotal)
  • Gegenlichtaufnahmen
  • Langzeitbelichtung
  • Mitzieher
  • Perspektive
  • Silhouetten
  • Streiflichter
  • Symmetrie

Besondere Lichtsituationen

• Sonnenaufgang
• Sonnenuntergang
• Blaue Stunde

Porto – Vielfalt und Kontrast

Porto ist eine hügelige ( nicht ganz so dramatisch wie Lissabon) Hafen-und Handelsstadt  im Nordwesten Portugals am Fluß Douro kurz vor seiner Mündung ins Meer. Bekannt für ihre prächtigen Brücken, barocken Bauten und den hier hergestellten Portwein.
Im mittelalterlichen Viertel Ribeira (Unesco Weltkulturerbe) liegen schmale, kopfsteingepflasterte Straßen mit Geschäften und Cafés. Von der Ribeira sieht man die Portweinkellereien auf der anderen Seite des Flusses Douro in Vila de Gaia.

Ponte Dom Louis I

Die elegante Bogenbrücke aus dem Jahre 1886 verbindet die Ribeira und die Vila de Gaia über den Douro. Sie hat zwei Fahrbahnebenen: Die untere Ebene dient dem Verkehr zwischen den beiden Stadtvierteln. Ihre zwei schmalen Fahrspuren werden von zwei sehr schmalen Gehwegen eingefasst. Die obere Ebene auf dem Bogen ist seit 2004 für die Stadtbahnzüge der Metro do Porto und den Fußgängerverkehr reserviert.
Für uns als Fotografen der helle Wahnsinn: der Blick auf die Brücke von den Flussufern, der Blick von den beiden Ebenen der Brücke auf die Stadtteile tagsüber, beim Sonnenuntergang und in der blauen Stunde.

Die Uferpromenaden
Cais da Ribeira und Cais de Gaia

Livraria Lello – die Kathedrale der Bücher

Die Livraria Lello wird als eine der schönsten Buchhandlungen der Welt bezeichnet. Und mit Recht.
Die hohen Räume mit den hölzernen Bücherregalen, die wunderschön geschwungene und geschnitzte Treppe im Art Deco Stil und das Oberlicht aus Buntglas verströmen eine wohlig-warme Atmosphäre.

Das jetzige Gebäude wurde am 13. Januar 1906 eröffnet unter Teilnahme wichtiger Politiker, Künstler, wohlhabender Bürger und Händler.

(Foto:  Livraria Lello)

Ach, man würde so gerne in Ruhe stöbern und Schmökern in dieser wundervollen Buchhandlung!

Aber da das der Wunsch vieler Menschen aus der ganzen Welt ist, mussten sich die Inhaber angesichts des wachsenden Tourismus ein neues Geschäftsmodell überlegen, das die Besucherströme kanalisiert:
Man kommt in die Buchhandlung nur mit einem Voucher für 5€, den man auf den Kauf eines Buches anrechnen lassen kann. Rucksäcke und Taschen können in eigens dafür geschaffenen Schließfächern deponiert werden.
Die Warteschlangen sind lang. Es gibt Pfeile auf dem Bürgersteig, wie die Schlange sich winden soll und eine Mitarbeiterin beaufsichtigt freundlich den Ablauf.
Dennoch bleibt die Buchhandlung im Kern ein Ort für Literaturliebhaber.

Azulejos im Bahnhof São Bento

Azulejos, die berühmten portugiesischen Fliesen  in blau, grün, gelb, orange bringen Farbe an und in Gebäude.
Ob in Form geometrischer Muster, als historische Szenen oder als Heiligenbilder: Man findet sie an Kirchen und Hausfassaden, Innenhöfen und auf Treppen

… und im Bahnhof São Bento in Porto.
Die auf die Mauren zurückgehenden Azulejos dienen nicht nur der Zier, sondern schützen auch die Baustruktur, dämpfen Lärm und halten Hitze ab.

Die Geschichte des Portweins – eine enge Verknüpfung mit England

Schon in der Antike wurden in Portugal Trauben angebaut. In den Schriften des griechischen Geschichtsschreibers und Geografen Strabon, findet man Hinweise auf den Weingenuss der Bevölkerung im Nordwesten der Iberischen Halbinsel vor zweitausend Jahren. Die Römer, die im zweiten Jahrhundert v. Chr. nach Portugal kamen und mehr als fünfhundert Jahre blieben, betrieben an den Ufern des Douros Weinbau. Genau dort, wo heute der Portwein entsteht. In der Blütezeit nach Gründung des Königreichs Portugal im Jahr 1143 wurde Wein ein wichtiges Exportgut.

Im Jahr 1386 machte der Vertrag von Windsor England und Portugal nicht nur politisch und militärisch zu Verbündeten, sondern auch zu engen Handelspartnern. Jeder Händler hatte nun das Recht, im Partnerland seinen Wohnsitz zu nehmen und hier unter denselben Bedingungen wie die Einheimischen zu leben. Zwischen beiden Ländern entwickelten sich feste Handelsbeziehungen und viele englische Kaufleute ließen sich in Portugal nieder. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden bedeutende Mengen portugiesischer Weine nach England exportiert, oft im Tausch gegen Stockfisch, den bacalhau.

Der Englisch-Portugiesische Handelsvertrag von 1654 gewährte den in Portugal lebenden englischen und schottischen Kaufleuten besondere Privilegien, darunter günstige Vorzugszölle.

Im Jahr 1703 gab die Unterzeichnung des Methuenvertrages zwischen England und Portugal dem Portweinhandel spürbar Auftrieb. Nach diesem neuerlichen Handelsabkommen wurde auf die aus Portugal nach England eingeführten Weine ein Drittel weniger Zoll erhoben als auf französische Weine.

Die wilde Gebirgslandschaft machte einen Transport der Weine über den Landweg unmöglich. Man konnte sie jedoch auf Booten den Douro hinunter bis nach Porto und über die gefährliche Douromündung in den Atlantik bringen, um sie direkt von dort nach England zu verschiffen.
Wer sich aktiv am Douro-Weinhandel beteiligen wollte, musste  nach Porto übersiedeln. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die meisten Kaufleute ihren Sitz in Porto. 

Bis ins 20. Jahrhundert blieb der Fluss der einzige Verkehrsweg, um die Weine aus den Weingütern an die Küste in die Lodges der Portweinhäuser zu bringen. Mit Lastbooten, den barcos rabelos.

Erst als sich der Zugang zum Dourotal weiter verbesserte, setzte sich der Straßentransport durch.
1961 arbeiteten nur noch 6 rabelos. 

Heute zieren einige barcos rabelos das Douroufer, um auf Portweinkellereien aufmerksam zu machen.

Bis zur Jahrtausendwende stieg der Absatz von Portwein innerhalb und außerhalb Europas stetig an.
England blieb Hauptabnehmer von Qualitätsportwein, doch der Schwerpunkt verlagerte sich in Richtung Nordamerika. Die Vereinigten Staaten und Kanada wurden Schlüsselmärkte und auch in Asien und Lateinamerika kommen die Verbraucher allmählich auf den Geschmack von Portwein.

Portweinverkostung in der Kellerei Offley

In Vila de Gaia finden sich eine Vielzahl von traditionsreichen Portweinkellereien (Sandeman, Taylor’s, Cálem, Ferreira, Niepoort), die alle Führungen und Portweinverkostungen anbieten.
Alexander hatte für uns die Kellerei Offley  ausgesucht, wo wir als Gruppe fast ganz alleine herumgeführt wurden und etwas über die Geschichte des Portweins, die Herstellung und die verschiedenen Geschmacksrichtungen und Qualitätsstufen erfuhren. Es war nicht so einfach, in dem schummrigen Licht aus der Hand die Fässer zu fotografieren. Und so waren wir mehr mit der Fotografie beschäftigt als aufmerksam zuzuhören.
Als Kostprobe gab es einen roten und einen weißen Portwein. Beide sehr süffig!

 

 

 

 

 

4 Replies to “Fotoreise Porto und Lissabon – Teil I: Porto”

  1. Liebe Barbara, danke für die wunderschönen Fotos , die uns unsere Reise nach Porto 2017 auf das Beste in Erinnerung gerufen haben. Was für eine lebendige Stadt, in der man so viel entdecken kann! In der Livraria Lello ist es dir wunderbar gelungen, die besondere Stimmung einzufangen – trotz der vielen Touristen. Deine Aufnahmen der beeindruckenden Brücke über den Douro – toll! Auch wir haben den leckeren Portwein genossen….
    Ich freue mich schon auf den 2. Teil – unsere Reise nach Lissabon ist schon einige Jahre her und da bin ich gespannt auf deine Fotos und Eindrücke.
    Liebe Grüße Marisa

    1. Liebe Marisa,
      Es freut mich sehr, dass meine Fotos gute Erinnerungen wecken und dich begeistern. In der Livraria Lello war es ziemlich schwierig, die Atmosphäre einzufangen. Deshalb besonderen Dank für deine Rückmeldung dazu. Der Beitrag über Lissabon muss noch warten. Ich mache erst mal eine Fotoreise nach Myanmar, und dann ist auch schon bald Weihnachten….
      Liebe Grüße
      Barbara

  2. Liebe Barbara,
    1994 war ich auf einer Portugal Rundreise und damals haben wir Porto – leider – nur gestreift. Deine Fotos und Dein Bericht zeigen mir, dass das seinerzeit ein Fehler war. Unser Schwerpunkt damals war Lissabon und Algarve; die schönen Kacheln, eindrucksvolle Fassaden und eine ausgezeichnete Fischküche gab es Gott sei Dank auch dort. Nur Portwein nicht. Den muß ich noch entdecken. Aber nicht nur der Name Sandeman, sondern auch das Video erinnern stark an die Sherry-Kultur in Südspanien. Ganz besonders eindrucksvoll finde ich die Fotos mit dem Brückenmotiv und natürlich die, die von der Brücke aus „geschossen“ wurden. Einfach wunderbar!

    1. Lieber Rainer,

      danke für deine Rückmeldung und das Teilen deiner Portugaleindrücke. Wenn ich dir Porto visuell näher bringen konnte, freut es mich sehr. Und vielleicht verführen dich meine Fotos, tatsächlich mal nach Porto zu reisen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Mir gefällt Porto sogar etwas besser als Lissabon. Porto ist ursprünglicher, überschaubarer, mit kantigem Charme. Und die Brücke ist auf jeden Fall ein Highlight!

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