Cuba in style: Mit dem Oldtimer durch Havanna

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Kubas Oldtimer, ihre Chauffeure und Mechaniker

Oldtimer gehören zum Stadtbild Havannas und kubanischem Lebensgefühl, als wären sie eine kubanische Erfindung.
Dabei sind die Oldtimer amerikanische Schlitten aus der vorrevolutionären Zeit.

Ironie der Geschichte!
Die Kubaner haben den Look kultiviert und in das Alltagsgesicht Havannas ganz selbstverständlich integriert.

Die Fahrer sind stolze Asphaltcowboys mit  Havannahut, weißem, auf Kante gebügeltem Hemd  und coolem Blick.
Jederzeit bereit, ihren Schatz zu verteidigen.

Ritterlichkeit  ist selbstverständlich: die Fahrer öffnen uns die Tür und helfen beim Aussteigen aus dem Wagen. Dies ist auch ein Maßnahme, das oft fragile Innenleben des Autos im Auge zu behalten und entsprechend zu richten.

Denn: Die Ersatzteillage ist in einem sozialistischen Land schwierig. Besonders seit dem Handelsembargo der USA, das kürzlich wieder verschärft wurde.
Automechaniker in Kuba sind Helden der Mobilität mit  großem Improvisationstalent und technischem Geschick. Unter den  Motorhauben werden  großvolumige US-Motoren gegen sparsamere Dieselmotoren aus Europa oder Asien eingetauscht.
Teile, die nicht passen, werden passend gemacht. Pfundweise Spachtelmasse auf den vom Rost zerfressenen Kotflügeln. Darüber eine glänzende Lackschicht in knalligen Farben.
Fertig sind die Taxis mit dem besonderen Flair für nostalgische Touristen – wie unsere Gruppe!

Die Oldtimer, die als Taxis fahren, gehören zum Motor einer aufkeimenden Privatwirtschaft und werden deshalb gehegt und gepflegt. Die Taxifahrt wird in CUCs (Pesos Cubanos Convertibles, die sich am Dollarkurs orientieren) bezahlt, die eine vielfache Kaufkraft gegenüber dem CUP  (Peso Cubano, der hauptsächlich der Bezahlung von staatlich subventionierten Waren und Dienstleistungen dient) haben und mit denen Kubaner in Devisenläden kaufen können.

Im Cabrio die Aussicht genießen

Um in den Cabrios auf unsere Kosten zu kommen, hat sich unser Veranstalter eine Route mit vielen schönen Aussichtspunkten überlegt.

  • Entlang am Malecón
  • El Cristo de La Habana mit Panaoramablick
  • Auf der Plaza de la Revolucíon
  • Cementerio Cristóbal Colón – die Marmorstadt
  • Hotel Nacional de Cuba –  ***** und eine schillernde Vergangenheit

Entlang am Malecón

Unsere Cabrios warten vor dem Hotel Inglaterra auf uns, und in einem Corso fahren wir entlang am Malecón.
Unsere Gruppe ist aufgekratzt und in voller Vorfreude auf diesen Erlebnis-Ausflug.

Der Malecón von Havanna bezeichnet die 8 Kilometer lange Uferstraße, die Havanna vom Meer trennt.
Sie wurde zum Schutz der Stadt vor dem Meer gebaut, um Überflutungen am Malecón gelegener Gebäude und Stadtteile zu verhindern.
Die Uferstraße hat sich zur Promenade und Flaniermeile entwickelt, die abends, wenn die untergehende Sonne so manche marode Häuserfront in warmes Licht hüllt, ihren vollen Charme entfaltet.

El Cristo de La Habana mit Panaoramablick

Schon von Weitem ist die 20m hohe Christusstatue über der Einfahrt in die Bucht von Havanna sichtbar. Wir schrauben uns in unserer Wagenkolonne langsam den Berg hoch bis auf das Plateau, wo El Cristo de la Habana mit segnender Hand auf die Stadt herabblickt.
Der Blick von hier oben ist weit: die ganze Stadt breitet sich vor dem Auge des Betrachters aus.

Die kubanische Bildhauerin Jilma Madera hat die Statue in Italien aus 300 Tonnen Carrara-Marmor (der auch für viele Grabsteine auf dem Cementerio Cristóbal Colón verwendet wurde) gemeißelt. Bevor die 67 Einzelteile nach Kuba gebracht wurden, hat sie die Statue von Papst Pius XII. segnen lassen.

Die Skulptur wurde am 24. Dezember 1958 eingeweiht. Nur 15 Tage später zog Fidel Castro am 08. Januar 1959 in Havanna ein.

Habaneras und Habaneros vermuten, dass El Cristo de la Habana eine Zigarre in der rechten  und einen Mojito in  der linken Hand hält. Ein sympathischer Gedanke!  Schaut genau hin. Könnt ihr Zigarre und Mojito erkennen?

Auf der Plaza de la Revolucíon

Ich finde ihn häßlich, aber er ist mit 72.000 m² der größte innerstädtische Platz Kubas und damit zweckmäßig.
Man kann sich gut vorstellen, wie Fidel Castro hier am 01. Mai oder am 26. Juli seine stimm-und wortgewaltigen Reden vor mehr als einer Million Kubanern hielt.
Der Platz heißt offiziell Plaza de la Revolución José Martí und ist dem Freiheitskämpfer im Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft gewidmet. Sein Denkmal besteht aus einer Statue und einem 109 m hohen Turm, auf den man mit einem Fahrstuhl bis an die Spitze fahren kann.
Rund um den Platz befinden sich unter anderem die Nationalbibliothek und viele Ministerien.
Gegenüber dem Denkmal steht das Gebäude des Innenministeriums verziert mit einem großen Bildnis von Che Guevara und dem Spruch Hasta la Victoria Siempre (immer bis zum Sieg). Auf dem daneben stehenden Informationsministerium ist der Revolutionär Camilo Cienfuegos mit seinem Zitat Vas bien Fidel (Fidel, du machst es richtig) zu sehen.

Wir standen in der Mittagshitze auf diesem Platz mit noch ein paar anderen Touristengruppen. Ich vermute, dass jeder Reiseveranstalter seine Gruppen auf diesen Platz schleppt. Ich halte den Programmpunkt für verzichtbar!

Cementerio Cristóbal Colón – die Marmorstadt

Der Friedhof ist mit einer Fläche von über 50 Hektar und etwa 1 Million begrabenen Toten eine der größten Begräbisstätten der Welt. Seit 1987 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.
Im Norden des Friedhofs befinden sich prunkvolle Mausoleen und Grabkapellen von Personen mit Rang und Namen: Staatspräsidenten, hochrangigen Militärs wie z.B. General Máximo Gómez (siehe Reiterstatue ganz oben),  Adeligen, Sportlern, Künstlern.

Bei der Größe haben wir uns nur einen ganz kleinen Eindruck von der Marmorstadt verschafft. Diesmal bei Sonnenschein, dessen Licht von den Marmorsteinen reflektierte. Wer den Friedhof in Ruhe ergründen möchte, sollte sich ein paar Stunden Zeit nehmen und mit einem Lageplan umhergehen (oder fahren).

Der Friedhof ist Gedenk-und Pilgerort zugleich.
Eines der meistbesuchten Gräber ist das von Amelia Goyri, La Milagrosa, die Wundertätige (siehe Foto). Sie gilt als Beschützerin kranker Kinder, unfruchtbarer und leidender Mütter. Und weil das Grab so berühmt ist und Amelias Schicksal so anrührend, hier die ganze Geschichte (die, je nach Quelle, immer ein bisschen variiert):

Amelia starb am 03. Mai 1901 im Alter von 23 Jahren an den Folgen einer Totgeburt.

Der Legende nach wurde sie mit ihrem Ungeborenen zu ihren Füßen bestattet. Die beiden Leichname wurden bei der Sargöffnung am 3. Dezember 1914 ohne jegliche Zeichen der Verwesung aufgefunden. Das Kind befand sich dabei nicht mehr zu ihren Füßen, sondern lag im linken Arm der Mutter.
Der Witwer José Vincente besuchte das Grab bis zu seinem Tode im Jahre 1941 täglich und kündigte sich durch Klopfen mit dem Messingring am Grabstein an. Er legte frische Blumen auf das Grab nieder und verließ es stets im Rückwärtsgehen, ohne seiner Frau den Rücken zuzukehren.

Dieses Ritual wird von den Pilgerinnen fortgeführt, die ans Grab der Milagrosa kommen und um Erfüllung ihrer Wünsche beten.

Hotel Nacional de Cuba –  ***** und eine schillernde Vergangenheit

Der letzte Stopp  auf unserer Oldtimer-Entdeckungsfahrt ist das Hotel Nacional, das sich beim Näherkommen vor uns aufbaut.
Unser Fahrer nimmt die großzügie Auffahrt zum Hotel, wir steigen am Haupteingang aus.
Wir schreiten durch die Lobby  voller Mahagoni-Pracht und glitzernden Kronleuchtern.
In der Hall of Fame, der Bar Vista al Golfo, nehmen wir erst mal einen Begrüßungscocktail, den wir auch nur in der Bar trinken dürfen.

Beim Mojitoschlürfen schauen wir uns die illustre Gesellschaft auf den Bildern an, die den ganzen Raum schmücken.
Alles, was Rang und Namen in Kunst, Wissenschaft, Sport und Politik zwischen 1930 und 1959 hatte (von Winston Churchill über Frank Sinatra zu Johnny Weissmüller) gab sich hier ein Stelldichein.

Was die Hochglanzbroschüre des Hotels ( Hat mich viel Überredungskunst gekostet, eine zu bekommen. Die liegen nur unter dem Ladentisch!) nicht erwähnt, ist,  dass sich die amerikanische Mafia im Hotel Nacional die Klinke gab und Meyer Lansky, Top-Mafioso in Havanna, 1955 dort ein Casino einrichtete.
Besonders berüchtigt ist die Havanna-Konferenz , eine einwöchige Tagung hochrangiger Mobster der amerikanischen Cosa Nostra und Kosher Nostra im Dezember 1946. Und Frank Sinatra gab sein Konzert…

Kuba war ein idealer Standort für die Mafia: nah genug an den USA. Weit genug entfernt vom langen Arm des FBI.
Glücksspiel, Prostitution, Drogen, Geldwäsche waren möglich unter der Herrschaft von Diktator Batista.

Das Hotel wurde von amerikanischen Architekten entworfen, von einer amerikanischen Firma gebaut für reiche amerikanische Touristen und amerikanische Geschäftsleute vor Ort und stand bis 1959 unter amerikanischer Leitung.
Die Hotelbroschüre betont, dass das Hotel aber schon immer im Besitz der kubanischen Regierung gewesen sei.
Seit 1998 ist das Hotel Nacional Nationaldenkmal.

Die Außenanlage ist weitläufig und großzügig. Der Blick auf den Malecón unversperrt und schön.
Zwei Dinge sind noch besonders interessant:

die Kanonen und das  Tunnelsystem im Garten des Hotels.

Das Areal, auf dem das Hotel gebaut wurde, nahm seit jeher eine strategisch wichtige Position ein.
Die Kanonen gehören zum Geschützstand Santa Clara aus der spanischen Kolonialzeit.
Als Teil der Befestigungsanlagen Havannas ist er seit 1982  Weltkulturerbe.

Aus gleichem strategischen Grund ließ Fidel Castro vor der Kubakrise 1962 im Garten Tunnel graben und Schützengräben ausheben. Letztere sind heute abgedeckt. Wer keine Beklemmungen in engen Räumen erleidet wie ich, kann den Tunnelgang besuchen.

Noch einen Mojito im Hotel Nacional bei Abendstimmung mit Blick auf den Malecón zu geniessen, begleitet von kubanischen Rhythmen, das hätte was gehabt….
Andererseits fand ich die Atmosphäre nicht unwiderstehlich, und irgendwie hinterlässt die unrühmliche Vergangenheit des Hotels und seiner Gäste einen fahlen Beigeschmack.

Deshalb schließe ich diesen Beitrag nicht mit einem zweiten Mojito, sondern mit einem Selfie aus dem Oldtimer.
Diese Fahrt war für mich ein besonderes Vergnügen!

                                                                                                                                                                                      

8 Replies to “Cuba in style: Mit dem Oldtimer durch Havanna”

  1. Liebe Barbara,
    Gratulation und ein dickes Kompliment zu diesem tollen Beitrag!
    Was macht diesen Beitrag so toll für mich? Es ist die Mischung aus sehr schönen Bildern, den interessanten Geschichten gepaart mit neuen Informationen über ein Land, dass ich noch nicht kenne, aber noch kennenlernen und entdecken möchte. Und wenn dann noch meine Liebe für Cabriolets dazukommt, ….
    Weiter so, liebe Barbara!
    Liebe Grüße
    Pierre

    1. Lieber Pierre,
      es freut mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Ich hatte auch viel Freude, ihn zu schreiben und die Bilder zuzuordnen.
      Leider ist die wirtschaftliche Situation in Kuba zur Zeit nicht rosig: Schlange stehen und leere Regale. Das Wegbrechen Venezuelas als Handelspartner und die kürzliche Verschärfung des US Embargos fordern ihren Tribut.

  2. Liebe Barbara,

    Oldtimer reizen mich nicht, umso mehr ein Kompliment, dass der Artikel mich begeistert hat.
    Deine Mischung macht es – wie immer – aus! Denn nun hätte ich gerne einen Mojito und habe auch etwas Neues über die Aufenthaltsorte der Mafia gelernt!

    Beste Grüße

    1. Das lässt sich einrichten, leider nicht heute! Erst nach meiner Reise nach Polen. Du sorgst für Eis, MIneralwasser und Zucker. Ich bringe Limette, Minze und einen ron añejo (alten kubanischen Rum ) der Marke Santiago de Cuba mit. Salud!

  3. Liebe Barbara,
    beim Thema „Oldtimer“ bin ich immer hellwach – Du kennst den Grund. Wieder eine wunderbare Text- und Bildreportage. Kuba kennt keinen TÜV oder etwas ähnliches. Glück für die Oldtimer. Pfundweise Spachtelmasse + Lack wäre hier nicht möglich, ebenso wenig mal kurzerhand den Motor austauschen bzw. umrüsten. Ja, Karibik und Postsozialismus – nicht alles ist angenehm, aber manches weniger reguliert und irgendwie „leichter“.

    1. Lieber Rainer,
      ich dachte mir, dass dir das Thema Oldtimer Spaß macht!
      Die technische Überwachung von Privatfahrzeugen wird in Kuba nur mangelhaft umgesetzt, regelmäßige TÜV-Termine und Plaketten gibt es bisher nicht. Das geht so lange gut, wie die Bremsen nicht versagen. Gleichzeitig muss der Staat aufgrund der Mangelwirtschaft und des gerade verschärften US-Embargos auch Kompromisse schließen. Ich finde es bewundernswert, mit welcher Fantasie und welchem Ideenreichtum Kubaner diese Situation meistern.

  4. Also, ich bin dabei: Oldtimer und Mojito hört sich gut an, bei der Zigarre passe ich lieber…
    Das ist eines der ersten Dinge an die ich bei Kuba denke- die wunderschönen Autos! Vielleicht sitze ich irgendwann mal in so einem und cruise zu all den von Dir so anschaulich beschriebenen Plätze
    Ce sera sera

    1. Mach das unbedingt. So eine Tour macht gute Laune. – Und denke nicht an Abgaswerte und Ökobilanz…

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