Mir schwebte vor, nach langer Zeit mal wieder im Oktober nach Griechenland zu fahren, die letzten warmen Tage am Meer und in den gemütlichen Altstädten mitzunehmen, viel Fisch zu essen und die Seele baumeln zu lassen.
Durch einen Film, der auf Zypern spielte, kam ich auf die Idee, die griechische Atmosphäre auf Zypern zu genießen.
Zypern kannte ich noch nicht, und am Besuch der letzten geteilten europäischen Hauptstadt im östlichen Mittelmeer war ich sehr interessiert.
Zypern liegt geografisch am östlichen Mittelmeer. Mit über 9.000 Quadratkilometern Fläche ist die Insel nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte im Mittelmeerraum.
Nur rund 100 km trennen sie von der Südküste der Türkei und der Westküste Syriens, etwa 200 km von Israel und rund 300 km von der Nordküste Ägyptens.


Es kann deshalb kaum verwundern, dass das Koordinationszentrum Zenon in der Hafenstadt Larnaka im Südosten Zyperns Such- und Rettungsaktionen im östlichen Mittelmeer durchführt und den humanitären Seeweg für Gaza organisiert. Bereits 32.000 Tonnen lebensrettende Hilfsgüter aus Europa wurden in den Umschlaghäfen Zyperns aufwändig kontrolliert und dann von dort aus nach Gaza verschifft.
(nach Katharina Kroll: Politik -Zypern vom 16.01.2026)
Diese geostrategische Lage Zyperns nutzten im Laufe der Geschichte verschiedene Reiche:
Perser, Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen oder Briten. Und alle haben ihre kulturellen und politischen Spuren auf der Insel hinterlassen.
Hier ein paar Beispiele:



Kloster Bellapais



Festung von Kyrenia

Lala Mustafa Pascha Moschee

Kloster des Heiligen Barnabas



Pathos – Fußbodenmosaiken römischer Villen und Theater



Festung Kolossi


Spuren der britischen Kronkolonie
Es herrscht Linksverkehr auf Zypern, man braucht den britischen, dreipoligen Steckdosenadapter und es sind noch einige Briefkästen aus der Zeit King George’s VI. (Vater von Elizabeth II.) im Einsatz!
Außerdem unterhalten die Briten noch zwei souveräne militärische Stützpunkte: Akrotiri im Westen und Dhekelia im Osten.
Siehe Karte unten.


Zypern – eine geteilte Insel
Wenn man das geteilte Deutschland und das geteilte Berlin noch vor Augen hat und was es für die Bevölkerung besonders in der DDR bedeutete, dann blickt man mit Unbehagen auf diese Insel und ihre geteilte Hauptstadt Nikosia.

Karte aus: https://zms.bundeswehr.de/de/mediathek/aktuelle-karte-zypern-5957566
Wie kam es zu dieser Teilung?
Seit 1570 gehörte Zypern zum Osmanischen Reich. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs annektierte Großbritannien die geostrategisch günstig gelegene Insel und machte sie 1925 offiziell zu einer ihrer Kronkolonien.
Die Bevölkerung Zyperns war aufgrund ihrer geographischen Lage schon immer griechisch wie auch türkisch geprägt.
Im Laufe der 1920er-Jahre wuchs bei vielen griechischen Zyprerinnen und Zyprern der Wunsch nach Enosis (Anschluss) – der Vereinigung mit Griechenland. Demgegenüber stand das Interesse der türkischen Zyprerinnen und Zyprer zunehmend für die Taksim (aus dem arabischen für Teilung).

1974 putschten griechisch-zyprische Offiziere mit Unterstützung der griechischen Militärjunta (1967-74) gegen Erzbischof und Präsident Makarios III. und brachten Zypern für einige Tage unter ihre Kontrolle.
Die Türkei nahm zwischen dem 14. und 16. August 1974 den Norden der Insel ein.
Das besetzte Gebiet macht beinahe 40 Prozent der Inselfläche aus.

Bischofspalast mit der Statue des Erzbischofs und Präsidenten Makarios III.
Fast alle der rund 162.000 griechischen Zyprerinnen und Zyprer flohen aus dem Norden in den Süden oder wurden vertrieben.
Zugleich flohen fast alle der rund 48.000 türkischen Zyprerinnen und Zyprer, die damals im Süden lebten, in den Norden.
Dies führte zu einer ethnischen Teilung der Insel.
Unser Reiseleiter berichtete, dass sein Vater damals sein gutgehendes Bauunternehmen verlassen hat, um in den Süden zu fliehen und von vorne anzufangen. Anhand der Einzelschicksale wird die Monstrosität der Vertreibungen deutlich, von denen einflussreiche Politiker profitieren.
Die Republik Zypern ist EU-Vollmitglied (seit 2004), bleibt aber weiterhin faktisch in zwei Teile geteilt. Die international anerkannte Republik Zypern übt die tatsächliche Kontrolle nur im Südteil der Insel aus, nicht hingegen im Nordteil, der durch eine Demarkationslinie (Green Line) vom Südteil abgegrenzt ist. Nur die Türkei erkennt den von ihr besetzten Nordteil als eigenständigen Staat – Türkische Republik Nordzypern – an.
UN-Einheiten kontrollieren die Pufferzone zwischen dem Norden und dem Süden, die militärisches Sperrgebiet und zudem teilweise vermint ist.



Nikosia/Lefkosía – Lefkoşa -eine geteilte Hauptstadt
Die Situation der letzten geteilten Hauptstadt Europas lässt sich am besten bei einem Spaziergang durch die Stadt darstellen.

Doch vorher zeige ich euch ein paar Fotos von der Altstadt Nikosia/Lefkosía ohne Stacheldraht und Ölfässer.








Spaziert man durch die überschaubare Altstadt, steht man plötzlich vor einer zugemauerten Gasse oder vor einer mit Stacheldraht verbarrikadierten Straße, hinter der sich von Unkraut überwuchertes Niemandsland ausbreitet. Ein schockierender, fast unwirklicher Anblick.






Man findet im griechischen Teil der Altstadt, umrandet von der mächtigen venezianischen Festungsmauer, viele trendige Läden, Restaurants oder das Café Berlin Wall in der Ledra Street, der Haupteinkaufsstraße von Nikosia. Über den Tischen des Cafés hängen Schilder mit der Aufschrift Checkpoint Charlie.
Solidarität mit dem Schicksal der Berliner während der DDR – Zeit.


Es fällt auf, dass dies politisch ungelöste Problem gerne von street artists thematisiert wird und auch Solidarität mit Minderheiten wie der LGBTQ+ oder den Palästinensern in Gaza demonstriert wird.
Das konnte/kann man so in Berlin finden, in Belfast und in Bethlehem, wo Mauern als Leinwand für die betroffenen Menschen dienen, um ihrer Wut, ihrer Ohnmacht, ihrer Entschlossenheit und Hoffnung Ausdruck zu verleihen oder für Menschen, die ihre Solidarität bekunden wollen.


Ein Stückchen weiter endet die Fußgängerzone abrupt an einer Absperrung, gesäumt von Holzbuden, Ölfässern und niedrigen Betonmauern. Man passiert einen griechisch-zyprischen Grenzposten und geht ein paar Schritte durch die Pufferzone, bewacht von UN-Soldaten. Erst nach 50 Metern beginnt der türkische Teil der Stadt, Ausweiskontrolle. Die ganze Prozedur dauerte nicht lang.
Alle Grenzbeamte verhielten sich korrekt bis freundlich. Es herrschte eine entspannte Atmosphäre. Kein Vergleich mit der Einreise in die DDR mit einschüchternden, missmutig gelaunten Beamten z.B. am Grenzübergang Friedrichstraße!





Auf der türkischen Seite geht es weiter mit Souvenirläden, Cafés mit leckerem Kuchen, Moscheen (hier abgebildet die Selimiye Moschee, die ursprünglich christliche Kathedrale der Heiligen Sophia, versehen mit zwei Minaretten und anderen muslimischen Attributen), einer Karawanserei.
Und man denkt, wie unnötig diese ganze Teilung doch ist.








Der Zypernkonflikt blieb bisher ungelöst.
Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Zyperns (seit 1. Januar 2026 für 6 Monate) soll dieses Thema erneut auf die Agenda kommen.
Es ist den Zyprioten und Zypriotinnen in Nord- und Südzypern zu wünschen, dass ihr Land irgendwann eine Einigung findet, ohne Einmischung der Türkei, Griechenlands oder wer sonst noch meint, sich einmischen zu müssen.


Liebe Barbara,
ein Beitrag, der sehr nachdenklich stimmt – wie immer gekonnt zeigst du geografische, kulturelle, religiöse, politische Einflüsse auf, die dann die „einfache Bevölkerung“ treffen.
Besonders gefallen haben mir in diesem Zusammenhang die street art-Motive.
Trotz aller Nachdenklichkeit ist aber auch die Schönheit Zyperns von dir sehr ansprechend herausgestellt.
Und damit beziehe ich mich nicht (nur) auf die Katzen.
Beste Grüße
Daniel
Lieber Daniel,
danke für deinen prompten und sehr differenzierten Kommentar. Das Thema verlangt nach verschiedenen Facetten. Mein Hauptanliegen war die Teilung der Insel und seiner Hauptstadt, aber ein bisschen wollte ich auch die Schönheit der Insel präsentieren. Man hätte auch nur Strände darstellen können. Das wäre ein anderes Narrativ, das häufig in Reiseprospekten dargestellt wird und von vielen Touristen gerne angenommen wird. Ich hätte auch einen Beitrag über die Katzen von Zypern schreiben können. An jeder Ecke gibt es Dutzende. Das habe ich aber in diesem Beitrag stark reduziert.
Es freut mich, dass dir die street art gefällt. Ich bin ein ausgesprochener Fan von inhaltlich interessanten Murals und hätte ich mehr Zeit für mich gehabt, hätte ich bestimmt noch mehr aufgespürt.
Ich finde, street art ist eine ernstzunehmende Kunstform und kann eine starke Stimme haben.
Liebe Grüße
Barbara