Im Rausch der Farben – Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof

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Der Hamburger Bahnhof in Berlin

Der Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart in der Invalidenstrasse in Berlin ist ein Museum für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Empfangsgebäude des Hamburger Bahnhofs und Teil der Berliner Nationalgalerie. 

Geschichte und Architektur des
Hamburger Bahnhofs

1841 wurde der Bau einer Eisenbahnlinie zwischen den beiden größten deutschen Städten Hamburg und Berlin beschlossen. 1846 begann die Jungfernfahrt nach Hamburg in einem Berliner Güterschuppen – der Bahnhof war noch im Bau.

Der Bahnhof selbst entstand in einjähriger Bauzeit bis 1847. Hinter der klassizistischen Fassade mit zwei Turmbauten, deren Mittelteil wie ein Stadttor wirkt, verbirgt sich eine aufsehenerregende architektonische Neuerung: die aus Eisen und Glas konstruierte Bahnhofshalle mit vier Gleisen.
Trotz Erweiterungen konnte der Bahnhof das enorm gestiegene Verkehrsaufkommen nicht lange bewältigen. Schon 1884, nur 37 Jahre nach seiner Eröffnung, wurde der Bahnhof stillgelegt.

Ungewisse Zukunft

Das Museum Hamburger Bahnhof bangt um seine Zukunft. Denn der Berliner Bebauungsplan schützt nur das Hauptgebäude, nicht aber die dazu gehörigen Rieckhallen.
Die Rieckhallen des Museums Hamburger Bahnhof sollen nach dem Willen des Eigentümers, eines österreichischen Immobilienkonzerns, abgerissen werden, um Platz für Luxuswohnungen und Büros für das schon weit fortgeschrittene Projekt Europacity zu schaffen.

Im nächsten Jahr läuft der Mietvertrag für die Rieckhallen aus.
Einst ließ der Sammler Friedrich Christian Flick sie auf eigene Kosten renovieren. Seit 16 Jahren zeigt das Museum dort die Werke seiner Privatsammlung quasi als Dauerausstellung.
Damit wäre dann nächstes Jahr Schluss. Der Hamburger Bahnhof verliert nicht nur die Hälfte seiner Ausstellungsfläche, sondern auch die mit Abstand wichtigste Leihgabe.

Die Ausstellung

Unter dem Titel It Wasn’t Us präsentiert
Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof ein Feuerwerk der Farben und Formen.


Orientierung, Struktur und Halt gibt die klar gegliederte Eisenkonstruktion der Bahnhofshalle, die im starken Kontrast zur Farbenfülle steht, die sich auf dem Boden der Halle überbordend ausbreitet und einen Sog erzeugt, der die Betrachter*in in die Halle hineinzieht. Und zur zentralen, fast deckenhohen Form führt.

Im hinteren Teil der Bahnhofshalle türmen sich Schichten von Styrodur auf, die von dem Strom der Farben des Hallenbodens erfasst werden. Das Material ist so bearbeitet, dass kantige, vielfach gekerbte, treppenartige Strukturen und Overlays entstehen, die bei jedem Perspektivwechsel andere Formen und Farbkombinationen offenbaren.
Ein großes Spektakel. Ich konnte mich kaum satt sehen!

Ich male mich aus dem Gebäude heraus.
(Katharina Grosse
Ausstellungskatalog, S.40)

Aber der Fluss der Farben macht nicht Halt vor dem Ausgang der Bahnhofshalle, sondern ergießt sich weiter auf die Außenflächen und an der Fassade der Rieckhallen entlang. Er wirkt wie ein gewaltiger Lavastrom, der keine Begrenzungen kennt, sondern durch Gebäude hindurchgeht, an Wänden emporklimmt und die Betrachter*in
mitzieht in einer stimulierenden,
pulsierenden und aufregenden Weise.

Eine inspirierende Ausstellung , die einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlässt!
Man kann nur wünschen, dass noch eine Lösung für das Museum Hamburger Bahnhof gefunden wird, damit weiter solche raumgreifenden Ausstellungen stattfinden können.

Neugierig auf andere Ausstellungen- Galerien-Museen, die ich besucht und fotografiert habe?

20 Replies to “Im Rausch der Farben – Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof”

  1. Liebe Barbara,
    mit viel Interesse und noch mehr Neugier habe ich deinen Blog zur Geschichte des Hamburger Bahnhofs gelesen und mit viel Vergnügen mich im Farbenmeer von Katharina Grosse geaalt. Eine großartige Inszenierung. Die Architektur des HB’s eignet sich ausgezeichnet für Grosse’s „Farbinstallation“.
    Du hast Architektur und die farbintensive „Stofflichkeit“ so eingefangen, dass man das Gefühl hat, zumindest ich, vor Ort zu sein und die Farben zu riechen, ja sich von ihnen eingehüllt zu fühlen.

    1. Liebe Ute,

      das war wirklich eine inspirierende, dynamische Ausstellung in einem klar strukturierten, statischen Gebäude, das für sich selbst ein Stück Industriearchitektur darstellt. Ich bin sehr froh, dass ich die Gelegenheit hatte, im Sommer nach Berlin zu fahren. Es freut mich, dass meine Fotos dir das Gefühl gegeben haben, selbst in der Ausstellung zu sein. Ein größeres Lob kannst du mir nicht machen!
      Liebe Grüße, Barbara

  2. Liebe Barbara,
    Ein Rausch der Farben! Und ein Rausch in Farben. Für Dich wohl auch ein Rausch durch Farben? Ich sehe ja nicht die Ausstellung, sondern die Fotos, die Du durch die Kamera gemacht hast. Und wie immer: die Kamera repliziert, aber das Gehirn dahinter wählt aus, komponiert, befiehlt der Kamera und dann löst es endlich aus. Dein Gehirn hat sich von den Farben berauschen lassen und das sieht man den Fotos sehr gut an.
    Dann also auf viele weitere Räusche!
    Noch ein Tip: ein sehr guter Freund, dessen Fotos ich schon seit Jahrzehnten sehr bewundere und den ich schon immer zu einer Ausstellung überreden wollte, hat endlich eine ganz kleine Auswahl hervorragendster Fotos ins Netz gestellt. Für Dich ein Bruder im Geiste. Ich empfehle Dir einen Blick hinein: https://wagner-fotografie.art.

    So long
    Wolfgang

    1. Lieber Wolfgang,

      ich freue mich sehr von dir zu hören! Du hast recht, meine Sinne waren im Farbrausch. Ich habe diese Ausstellung so genossen. Danke für den Tipp. Ich werde mir die Fotos deines Freundes anschauen.
      Herzliche Grüße
      Barbara

  3. Liebe Barbara,

    was für Farben, toll!

    Dein Beitrag müsste den Investor erreichen, denn deine Bilder zeigen sehr schön, dass Kunst gewichtiger als eine Luxusimmobilie ist.

    Beste Grüße

    1. Lieber Daniel,

      das sagst du, aber der Immobilienfirma wird das ziemlich egal sein. Allerdings gibt es noch einen Hoffnungsschimmer. Die Politik versucht zu verhandeln und die Immobilienfirma wirbt für ihre Immobilien mit dem Slogan «Kunst-Campus – Berlins neues Wohnufer». Warten wir’s ab. Jedenfalls bin ich sehr froh, das komplette Ensemble erlebt zu haben.
      Liebe Grüße
      Barbara

  4. Sorry , – aber ich schau‘ nicht einfach nur so zu, sondern nehme durchaus inspiriert und voller Interesse kritisch wahr, was du so engagiert präsentierst – trotzdem, meistens gibt’s ( für mich!) nicht unbedingt Ge-wichtiges zu kommunizieren🙄
    aber danke !!! …and go on

    1. Liebe Marion,
      meine Bemerkung war anerkennend gemeint. Ich freue mich über jede und jeden, der sich meine Beiträge anschaut. Die wenigsten kommentieren auf der Website. Einige per Mail, andere per WhatsAPP und wieder andere freuen sich einfach über einen Beitrag ohne Rückmeldung.
      Liebe Grüße
      Barbara

  5. Liebe Barbara,
    echt geile Farbexplosions-Impression, perfekt eingebunden in die Gusseisen-Glas-Architektur des 19.Jahrhunderts !
    Im optischen Farbwarnehmungsrausch melde ich mich als bisher kommentarlos stummgebliebene – aber tief beeindruckte Voyeuristin deiner
    Fotokunst !
    Super,
    Marion

    1. Liebe Marion,
      vielen Dank für deine positive Rückmeldung. Es war gerade auch der Kontrast zwischen der statischen Eisen-Glas-Architektur der Bahnhofshalle und dem dynamischen Farbenrausch, der mich so fasziniert hat.
      Ein perfektes Zusammenspiel! Schau gerne weiter zu.😉
      Liebe Grüße
      Barbara

    1. Dear Gretchen,
      thank you so much for your feedback. It means a lot to me. I hope you, Chris and your whole family are well.
      These are quite difficult times.
      Love, Barbara

    1. Liebe Birgit,

      schön, dass du auch Freude an den Farben hast. Ich konnte mich kaum satt sehen!
      Herzliche Grüße
      Barbara

  6. Liebe Barbara,
    das ist wahrlich eine Farbenexplosion. In „Aspekte“ kam vor einiger Zeit dazu ein Bericht, der die Künstlerin bei der Arbeit zeigte. Eine gigantische Installation. Wenn man selbst in der Ausstellung ist taucht man regelrecht in dieses Farbenmeer ein. So kam das auch in dem Fernsehbericht zur Sprache. Deine Fotos illustrieren dieses besondere Projekt wieder wunderbar!
    Liebe Grüße
    Rainer

    1. Lieber Rainer,

      danke für deine Rückmeldung. Ich habe mich stundenlang im und außerhalb des Bahnhofs fasziniert bewegt. Und jetzt ist genau die richtige Jahreszeit, um Farbe zu tanken.

      Liebe Grüße
      Barbara

  7. Liebe Barbara,
    was für eine herrliche Ausstellung, was für eine Farbenexplosion im Raum. Ich konnte letzten Mittwoch auch noch die Bonner Kunsthalle genießen. Jetzt ist ja alles wieder zu, aber dafür gibt es ja deine Bilder, sozusagen fürs „Home-Visiting“
    Bleib gesund und freue mich auf die nächsten Eindrücke von dir.

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Liebe Andrea,

      ich weiß, dass ich beim Thema Farbe bei dir offene Türen einrenne! Hoffentlich wird die Ausstellung nach dem Lockdown verlängert. Dann hättest du vielleicht die Gelegenheit, sie dir noch anzusehen. Inzwischen kannst du ja auf den Link am Ende meines Beitrags klicken, um dich an den anderen Beiträgen über meine Ausstellungsbesuche zu erfreuen.
      Herzliche Grüße
      Barbara

  8. Welch Farbrausch! Wie recht Du hast!
    Das Schicksal des „Bahnhofs“ interessiert mich schon seit längerem (Flick etc..) .
    Und umso bedrückender die Namen der von hier Deportierten, oder worum handelt es sich?
    Interessant ist auch Deine vertikale Anordung der Fotos. Das macht die Präsentation so stimmig!
    Aber what the hell ist Styrodur???

    1. Liebe Ulrike,

      danke für deine prompte Rückmeldung. Ich bin auch sehr gespannt, ob es noch eine Lösung für die Rieckhallen und damit das Ensemble des Hamburger Bahnhofs geben wird. Styrodur ist eine Variante von Styropor, die Katharina Grosse verwendet hat. Zu den Namenssteinen: Der Berliner Künstler Tom Fecht ehrt mit seinem von der Deutschen AIDS-Stiftung unterstützten Kunstprojekt „Denkraum: Namen und Steine“ im Hamburger Bahnhof Menschen, die an den Folgen von Aids gestorben sind und sich in besonderer Weise im Kampf gegen die Krankheit engagiert haben.

      Herzliche Grüße
      Barbara

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