Djurgården, Stockholm: einst königliches Jagdgebiet – heute grüne Oase mit kultureller Vielfalt

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Könige hatten schon immer ihre Jagdreviere: Heinrich VIII. jagte im Hyde Park in London, die Kurfürsten von Brandenburg im Tiergarten in Berlin und König Johann hielt sich Wild in seinem königlichen Tiergarten in Stockholm: Kungliga Djurgården.Bla Porten, Djurgarden, Stockholm

 

Glücklicherweise wird dort nicht mehr gejagt, sondern man kann herrlich entspannt entlang des Wassers das südliche Djurgården mit dem Fahrrad umrunden.

 

 

Sjöcafeét, Djurgarden, Stockholm

 

Ich habe mir ein Fahrrad direkt nach der Überquerung der Brücke Djurgårdsbron ausgeliehen

 

 

und meinen Ausflug an der Blå Porten, dem Eingangstor zum ursprünglichen Jagdgebiet begonnen und die Insel im Uhrzeigersinn umrundet.

Bla Porten, Djurgarden, Stockholm

Die Blå Porten ist passend mit dem üppig goldenen Portrait der Jagdgöttin Diana (s. Beitragsbild oben) mit einem Köcher voller Pfeile dekoriert und auf jeder Seite von einem goldenen Hirschen auf dem Sockel flankiert.
Da es wieder sehr heiß war an diesem Tag, waren mir die großen, Schatten spendenden Eichen und lauschigen Plätze sehr willkommen. Und immer mit dem Blick aufs Wasser!

Rosendals Slott

Mein erster Stopp auf dem Weg war Schloss Rosendal. Ein Schloss im schwedischen Empirestil des frühen 19. Jahrhunderts. Der König nutzte es zur Erholung. Leider kann man es nur im Rahmen einer Führung von innen ansehen. Und da ich erst am Anfang meiner Tour war, bin ich nur außen herum gelaufen.

Rosendals Trädgård

Dafür habe ich mich eine ganze Weile in Rosendals Garten schräg gegenüber aufgehalten.
Auf etwa 1,5 ha Anbaufläche befinden sich Gemüsebeete, Gewächshäuser, ein Obstgarten, Blumenbeete, ein Weinberg.

Seit 1982 verpflichtet sich die Stiftung Rosendals Trädgård dem biodynamischen Anbau mit dem Ziel, das öffentliche Interesse an und die Kenntnisse über ökologischen Anbau zu erweitern. Alle Produkte – Gemüse, Kräuter, Blumen – sind Demeter-zertifiziert und es gibt Kooperationen mit Sternerestaurants, die von Rosendal beliefert werden.

Wie z.B. das Gastrologik. Die Vision des Küchenteams ist es, eng mit den Produzenten zusammen zu arbeiten und nur zu verwerten, was um sie herum wächst und gedeiht. Im Grunde entscheiden die Produzenten, was abends auf den Tisch kommt. Deshalb sieht das Menü Woche für Woche anders aus. Und es gibt keine Speisekarte vor dem Essen, sondern jeder Gast bekommt am Ende des etwa 20 gängigen Menüs seine gedruckte Speisekarte mit nach hause.

Einkaufen in Rosendals Trädgård

In der Gärtnerei Plantbod kann man Blumen, Pflanzen, Samen, Gartengeräte für den Stadtgärtner erwerben. Im Sommer kann man sich seine eigenen Blumen pflücken, die nach Gewicht bezahlt werden.

Der Hofladen verkauft Brot und Kuchen (aus der mit einem Holzofen befeuerten Bäckerei), biodynamisch angebautes Gemüse, Marmeladen, eingelegtes Gemüse. Außerdem Kunstgewerbe.
Und übrigens: seit Februar 2017 kann auch hier nur per Kreditkarte bezahlt werden.

Trädgårds Café in der Orangerie

Das Café serviert zwei Mittagsgerichte, Suppe, Sandwiches und Gebäck. Das selbstgebackene Brot gehört selbstverständlich dazu. Platz nehmen kann man vor der Orangerie oder den vielen Möglichkeiten auf dem Gelände. Ein sehr interessanter, ungezwungener und angenehmer Ort!

Idylle am Djurgårdsbrunnskanalen

Nach einer kleinen Stärkung in Trädgårds Café radelte ich vorbei am Isbladskärret, einem Feuchtbiotop und Vogelreservat, zum Djurgårdsbrunnkanal.
Unter schattigen Eichen und Ahorn schlängelt sich der Kanal zur Ostsee entlang. Er ist nur einen Kilomenter lang und 9,5 m breit und trennt den nördlichen vom südlichen Teil Djurgårdens. Auf Initiative von König Karl XIV. Johan wurde der Kanal gebaut und 1834 fertig gestellt, um die Versorgung der Stadt mit Gemüse von den Schären zu erleichtern und gleichzeitig Djurgården und sein Schloss Rosendals Slott zu verschönern.
Ich habe den Ausblick von der Uferpromenade und der Drehbrücke eine ganze Weile genossen!

Blockhusporten

Vorbei am Kanal trifft man am östlichen Zipfel von Djurgården auf das einladende Café Blockhusporten. Man sitzt unter Apfelbäumen und blickt hinaus auf die Schären und die Kreuzfahrtschiffe nach Finnland.
In der Hitze war ich dankbar für einen Minztee mit frischer Minze und konnte beobachten, wie eine Mövenmutter kraftvoll und mit wachem Blick ihre Jungen gegen mögliche Eindringlinge, die das Warnschild ignorierten, verteidigte.

Blockhusporten markiert ungefähr die Hälfte der Radstrecke. Weiter geht es in südwestlicher Richtung zur Thielska Galleriet. Sie liegt wie das Café Blockhusporten noch auf der Landzunge Blockhusodden in idyllischer, etwas abgeschiedener Lage. Dort habe ich ein paar faszinierende Stunden verbracht. Und diese Galerie verdient einen eigenen Beitrag! Meinen ursprünglichen Plan, auch Prins Eugens Waldemarsudde weiter westlich auf der Fahrradtour an diesem Tag zu besuchen, habe ich auf einen anderen Tag verschoben. Die Galerie hatte schon geschlossen. Thielska Galleriet hatte mich voll in ihren Bann gezogen!

Wärdshuset Ulla Winbladh

Den Abend habe ich bei einem Abendessen in Ulla Winbladhs Wärdshuset (Wirtshaus) im
Westen Djurgårdens auf der Terrasse mit den rot-weiß gestreiften Markisen ausklingen lassen.
Der Name des Restaurants erinnert an die Muse des Nationaldichters Carl Bellman, der die Insel Djurgården in seinen Liedern besang.
Ich habe mir bewusst zwei Klassiker der schwedischen Küche ausgesucht: Toast Skagen mit Ketakaviar und anschließend gebratenen Hering mit Kartoffelpüree, Presielbeeren und geschmolzener Butter. Dieses Gericht trägt sogar Bellmans Namen. Ob es sein Lieblingsgericht war? Es schmeckte alles sehr frisch und lecker. Meine Bedienung war freundlich, umsichtig und hilfsbereit. Ein gelungener Abschluss!
Nach dem Essen blieb nur noch Platz für eine Tasse Kaffee. Ich bekam eine ganze Kanne Kaffee, der so stark war, dass der Löffel drin stehen konnte! Zu gut gemeint.

Abendstimmung am Ausgang zur Blå Porten

Ich verließ Djurgården, wie ich gekommen war: durch die Blå Porten. Die Abendsonne warf lange Schatten auf den Weg. Nachdem ich mein Fahrrad wieder abgegeben hatte, schlenderte ich in der Abendsonne den Strandvägen entlang und nahm die U-Bahn Kungsträdgården zurück zum Hotel.

Djurgården, Stockholm
Am Ausgang zur Blå Porten

Ein wunderbar entschleunigter, entspannter Tag! 

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